Beispiele 1
Ein Blick zurück kann nie schaden ...
So konnten wir am 12. Juli 2011 in der AZ online lesen, daß immer mehr Störche überleben, ihre Zahl also zunimmt, "obwohl sich die Lebensraumsituation für die Störche dramatisch verschlechtert hat." Und weiter heißt es: "Experten sind ernüchtert wegen der vergleichsweise wenigen Jungen."
Auf die Frage, wie es denn sein kann, daß immer mehr Wiesen verschwinden, die Zahl der Störche trotzdem zunehme, wußte der Weißstorchexperte der Regierung von Schwaben, Anton Burnhauser, seine Antwort. Er sah darin keinen Widerspruch, denn die Sterblichkeit der Störche habe "in den letzten Jahren stark abgenommen" und es kämen "nicht mehr so viele Jungstörche um, weil inzwischen die meisten Stromleitungen vogelsicher gemacht wurden." Früher (wann das dann auch immer war ...) habe es in Schwaben im Jahr 15 bis 20 Stromopfer gegeben, so Burnhauser. Ebenfalls hätten die Verluste im Winterhalbjahr stark abgenommen, denn ein "Großteil der Störche zieht im Winter nicht mehr nach Afrika, sondern nur bis auf die Iberische Halbinsel -- oder sie bleiben gleich hier." Störche, die dennoch die weite Strecke bis nach Afrika zurücklegten, fanden auch dort bessere Bedingungen vor: keine anhaltenden Dürreperioden mehr in der Sahelzone, gutes Futterangebot.
In Schwaben habe es 2011 55 Brutpaare gegeben, was Burnhauser zufrieden stellt. Ernüchternd sei allerdings die Zahl der Jungen: "Ziemlich genau 100 sind es." Eine Reproduktionsrate von weniger als zwei Tieren pro Paar. Im Schnitt seien ein bis zwei Junge im Nest aufgewachsen. Burnhauser: "Das zeigt deutlich, woran es krankt. Der Lebensraum gibt nichts her." Nahrung für die Störche ist damit gemeint. Besonders kritisch sieht Burnhauser, daß es in einem Jahr ohne jene Wetterextreme wie Starkregen (der bekanntlich häufig zum Tod der Brut führt) derart wenig Nachwuchs zu verzeichnen ist. In den vergangenen Jahren wurden zahlreiche Jungstörche im Mai und Juni Opfer der Schafskälte. Dieses Jahr war das Frühjahr allerdings sehr trocken, Regenwürmer blieben tief im Boden und fielen als wichtige Nahrung für die Jungen aus, Frösche gibt es in der intensiv genutzten Landschaft ohnehin kaum mehr, somit können Störche im Frühling auch keine Laichgewässer mit Kaulquappen aufsuchen.
Ein Drittel des schwäbischen Storchenbestandes lebt im Landkreis Günzburg, der noch einen relativ guten Gründlandanteil aufweise (mittlerweile 19 Brutpaare). Auch im Mindel- und Kammeltal (breite Auen und hoher Grundwasserstand!) finden Störche "vergleichsweise gute Lebensbedingungen." Allerdings stagniere der Bestand im Nördlinger Ries, "wo immer mehr Wiesen Äcker weichen, um die Biogasanlagen mit Mais zu 'füttern'. Früher sei umgekehrt gewesen, da in Südschwaben das Klima ungünstiger sei: kälter und mehr Regen. Ein weiteres Problem sieht Burnhauser darin, daß es kaum noch Feuchtwiesen gebe und die verbliebenen Wiesen immer intensiver bewirtschaftet und vor allem auch früher im Jahr gemäht würden (was allerdings während der Anfangsbrutzeit von Vorteil sein könne.). Dadurch baue sich keine Nahrungskette auf; den Störchen fehlten Heuschrecken als "Leckerbissen" vor allem auch für die Junge, die sie mit den zwar zahlreich vorhandenen Mäusen nicht füttern könnten.
Ein besseres Bild ergibt sich laut Burnhauser bei Bio-Bauern; diese mähen täglich Grünfutter, ein Vorgang der Störche wegen der günstigen Beutetierergreifungsmöglichkeit anlockt. Auch -- ich habe das selbst natürlich auch schon häufiger beobachten können -- beim Ausbringen von Gülle tauchen Störche häufig auf, denn durch diesen Vorgang werden Regenwürmer an die Oberfläche gedrückt, wo sie verdorren und dem Storch eine gute Nahrung sind.
Ganz bedrohlich ist auch das Verschwinden von für den Storch günstigen Wasserflächen. Gräben sind mittlerweile häufig zugewachsen, Flachwasserzonen ebenfalls eine Seltenheit, so daß der Storch kein Wasser für sich und vor allem für seine Jungen aufnehmen kann.
Fazit auch schon für jenes Jahr: Der Storch hat es nicht mehr gut, ihm geht es nicht mehr gut -- sieht man von Ausnahmen ab.
Und damit in die Gegenwart ...
Diese Meldungen entnahm ich jeweils der LBV Storchenkarte. So wurde am 30. Juli 2015 gemeldet, "die Storchensaison befände sich mit Flügge-Werden der Jungen eigentlich gerade auf ihrem Höhepunkt." Von den bislang gemeldeten Zahlen gehe man -- im Gegensatz zu Ostdeutschland -- rechne man "hier voraussichtlich (mit) ein(em) recht guten Brutergebnis". Es wird darauf hingewiesen, daß "es noch vereinzelt zu Unfällen kommen" kann. Ausfliegende Jungvögel rutschen bisweilen bei "den ersten unsicheren Landemanövern" ab oder prallen gegen eine Wand (so z.B. geschehen in Bad Rodach, Rehau, Langenzenn, Neustadt/Aisch und Memmingen) wobei sie "häufig nicht schlimm verletzt" sind und oft von einer Wiese aus selber wieder starten können. Aus Möttingen wurde ein Todesfall gemeldet: Jungvogel wurde Opfer durch Autounfall. Stromtode gäbe es auch immer wieder zu beklagen, so zuletzt ein Jungstorch in Baiersdort, einer in Muhr (von fünf Jungvögeln aus dem Nest von Neuenmuhr wohl) und zwei in Grafenwiesen. Man hoffe (sic!), daß "die restlichen, noch nicht gesicherten Mittelspannungsmasten nicht angeflogen werden ... bzw. umgehend gesichert werden."
Gesetzlich sind Sicherungen an den Stromleitungen längst vorgeschrieben, allerdings wurde der Zeitpunkt für die Erledigung nochmals verlängert ... Übrigens hat der LBV auf seiner Webseite mittlerweile ein Formblatt zum Ausdrucken und Ausfüllen zur Verfügung gestellt, mittels dem die von den Stromversorgern zu verantwortenden unzureichenden oder unterlassenen Sicherungsmaßnahmen gemeldet werden können. So wurde auch am 17. Juni 2015 leider erneut ein Totfund gemeldet, diesmal unter einem entsprechend ungesicherten Strommast in Perschen.
Seitens LBV wird immer wieder gebeten, neue, noch nicht erfaßte Nester zu melden, damit die bayerische Storchenkarte entsprechend vervollständigt werden kann.
Mancherorts hatten Störche schon sehr früh mit dem Brüten begonnen, so im März in Salgen, auch auf dem Kran in Kirchheim sowie das Paar auf dem Pfaffenhausener Blindenheim. So begannen auch die Störche in Baiersdorf und Frauenaurach schon vor Mitte März mit der Brut. Zum gleichen Zeitpunkt kamen freilich andere Störche erst so langsam aus ihrem Winterquartier zurück, begannen dann auf angestammten Horsten mit der Brut bzw. waren noch auf Suche nach einem geeigneten Neststandort.
Störche galten neben anderen Vögeln stets als eine Art "Frühlingsbote"; ihr Eintreffen kündigte das beginnende Frühjahr an. Dem ist heute nicht mehr unbedingt so, denn einerseits überwintern immer mehr Störche hier (beginnen also meist dann entsprechend früher mit der Brutpflege) und andererseits kommen sie aus Winterquartieren, die nicht so weit entfernt wie beispielsweise jene in Afrika sind, früher zurück (so aus Südfrankreich, Spanien z.B.) Das Zugverhalten der Störche hängt vor allem auch sehr stark von der Wetterlage ab, bei guter Thermik fliegen sie gerne und sind dann entsprechen schneller wieder an ihrem Zielort. (Störche sind bekanntlich "nesttreu", nicht unbedingt "partnertreu" -- Ausnahmen davon gibt es natürlich auch! -- , aber die "Nesttreue" korreliert sehr häufig mit der "Partnertreue", vorausgesetzt die Partnerin (meistens ist das Männchen zuerst da!) kommt rechtzeitig für einen erfolgreichen Brutbeginn zurück ...
In ihrem Zugverhalten trachten Störche auch danach, "rechtzeitig" zurück zu kommen, damit sie die ihren Brutplatz wieder einnehmen können bzw. sich die besten Brutplätze besetzen können. Dabei stört sie dann auch schlechte Witterung nicht groß, denn für sie ist kaltes Wetter kein Problem (eher schon eine allzu große Hitze) und solange noch keine Küken zu versorgen sind, haben Adultstörche auch weniger Probleme mit der Nahrung, zumal sie selbst durchaus eine ganze Woche auch ohne Nahrung auskommen können.
Was Winterstörche angeht, da gibt es sehr kontroverse Ansichten. So behaupten Vertreter des Nabu und dessen bayerischen Variante, des LBV, es darf in der kalten Jahreszeit auf keinen Fall eine Futterstelle für Störche eingerichtet werden, weil sie sich angeblich daran gewöhnen würden, von der Fütterung abhängig gemacht werden und unfähig würden, sich selbst auf Nahrungssuche zu begeben. Macht man sie aber nicht "fütterungsabhängig", würden sie weiterhin ihrem Instinkt folgen und bei tatsächlicher Futterknappheit wenigstens eine Teilzug antreten. Die letzte Aussage stimmt in Teilen; Störche verlassen eine unwirtliche Gegend tatsächlich und suchen sich ein für sie günstigeres Biotop. Allerdings gilt es in diesen Fällen bei Überwinterern und Winterstörchen auch andere Faktoren (wie z.B. die Großwetterlage, geographische Bedingungen, auch Beharrlichkeit und Leidensdruck) zu berücksichtigen. Was jedoch die mit einer Fütterung und dem damit einhergehenden Verlust des Nahrungssuchtriebes behauptete positive Korrelation angeht, kann man nur sagen: vollkommener Quatsch, einfach nur Unsinn! Ich weiß aus vielen Quellen, auch aus unterschiedlichsten eigenen Beobachtungen an diversen Orten (quer über Deutschland verteilt ...), daß trotz erfolgter Zufütterung die Störche sowohl vorher als auch nachher wieder bei ihrer Futtersuche zu finden sind! Was, sofern die Zufütterung während der Brutpflege bei entsprechend ungünstigen Wetterverhältnissen (vor allem bei Regen und Starkregen) stattfindet, nicht nur beobachtbar sondern auch statistisch nachweisbar ist: Es überleben mehr Jungstörche als bei unterlassener Hilfeleistungen der Fall ist. Dieses gilt übrigens auch für Unterstützung bei der Nesterhaltung und Nestsäuberung!
Aber wie schon gesagt: es gibt zahlreiche Storchenbeauftragte, tatsächliche oder selbsterkorene Experten und in Verbänden handlungsleitende Dogmen, die vehement gegen eine solche Storchenhilfe zu Felde ziehen. Der Sinn, weshalb dann zum Beispiel der LBV immer wieder fordert, man möge ihm überwinternde Störche melden, damit die "jeweilige LBV-Keisgruppe zusammen mit Fachleuten diese überwinternden Einzeltiere überwachen" können, erschließt sich mir allein schon deshalb nicht, weil ja ohnehin keine Hilfsmaßnahmen geplant sind. Und reine Beobachtungen seiner Überwinterungskünste und Winteraktivitäten braucht der Storch gewiß nicht, zumal jene Beobachtungen nicht selten wegen fehlender Fluchtdistanz Fluchtverhalten auslösen dürften, die den Störchen zusätzlich Kraft kosten, Kraft, die sie vor allem im Winter freilich nicht im Übermaß zur Verfügung haben ...
Gefahr für Störche durch tatsächlichen oder vermeintlichen Zivilisationsfortschritt sowie durch Zivilisationsmüll
Diese Wochen waren / sind für eine Storchenfamilie in Görsbach / Thüringen zu einer Katastrophe geraten. Der männliche Adultstorch hat sein Bein in ein Garn verwickelt, dabei auch noch einen Stock am Bei "befestigt". Die Folge war / ist: Bewegungseinschränkung, Ausfall als Fütterer, Gefahr für sein Bein, Gefahr für die ganze Storchenfamilie. Vier Küken waren es, ein einziges hat die dramatische Situation bislang überlebt. (Stand 5.Mai 2016). Das Bein des Storchenvates ist mittlerweile abgestorben. Der stark verletzte Storch ist noch flugfähig. Um die Nest- und Brutpflege kann er sich jedoch nicht kümmern. Das Problem wurde sofort nach der Behinderung des Altstorches von vielen Beobachtern erkannt, es wurde auch zielführende Hilfe angeboten. Die Verantwortlichen vor Ort verwiesen auf die Wildtier-Situation eines Storches und glaubten, das alles mit ihren Vorstelltungen von Hilfsmaßnahmen lösen zu können. Inwieweit das gelungen ist, mag ein jeder selbst beurteilen. Drei der Küken verstarben wegen der fehlenden notwendigen Brutpflege, der Vaterstorch wird für immer schwer gehandicapt bleiben und somit dürften seine Überlebenschancen stark eingeschränkt sein ... Ich kenne einige Experten, die in derartigen Fällen wirksam und sehr erfolgreich Hilfe geleistet haben. (An anderen Stellen habe ich dies bereits an Hand von unterschiedlichen Beispielen mehrfach abgehandelt.) Geradezu zynisch oder zumindest dümmlich wirkt es auf mich, wenn man in der Zeitung als Aussage des "Experten" lesen konnte, dem Storch ginge es gut. Wohlgemerkt: er hatte bereits 3 Küken verloren, fällt aus "Erzieher" aus und sein Bein ist abgestorben.
An dieser Stelle geht es mir jedoch um die eigentliche Ursache: Müll, den Menschen achtlos und verantwortungslos (auch egozentrische Gründe mögen bisweilen da eine Rolle spielen!) in der Landschaft "entsorgen". Hätte der Storch nicht mit jenem weggeworfenen Garn Kontakt bekommen, wäre sein Bein nicht darin verwickelt worden und letztlich bis zum Gelenk abgestorben. Die ursächliche Schuld liegt bei jenen Müllverursachern; gleichwohl möchte ich der m.E. unzureichenden oder entsprechend unterbliebenen Hilfeleistung die Sekundärschuld zuschreiben.
Immer wieder werden Störche verletzt (viele sterben in der Folge auch) durch Bindegarn, Kunststoffteile und Plastikreste (die, ins Nest transportiert, auch Staunässe verursachen, was häufig zu Todesfolgen dann führt!). Wer häufig spazieren geht, Wiesen , Felder und Äcker (hier lassen Bauern nicht selten Bindegarnreste einfach liegen), Lichtungen, Wegränder, Gewässerzonen betrachtet, der findet jede Menge von Unrat. Plätze, die auch Störche aufsuchen, wo sie Nistmaterial sammeln, wo sie nach Nahrung schreiten und jagen (und sich dabei ggf. im Garn-Müll verheddern!). Im letzten Jahr stellten Anwohner bei einem etwas zurückgebliebenen Storch in Knittelsheim fest, daß "Knöpfchen" nicht richtig Nahrung aufnahm, dadurch in der Entwicklung zurückblieb. Die Ursache konnte dann in jenem Fall doch geklärt werden: im Magen des Störchleins fand man ca. 50 Gummiringe (wie sie Mädchen zum Spielen und "Verschönern" ihres Äußeren verwenden). Die Storcheneltern haben diese wohl als eine Art Wurm gehalten (was nicht selten beim Finden von Kunststoffmaterialien geschieht) und entsprechend gefüttert. Nachdem das Jungtier von jener Ballast befreit wieder befreit war, konnte es wieder ganz normal Nahrung aufnehmen, später im Sommer sogar noch wegziehen. Gerettet wurde das Tier freilich "nur" durch die Aufmerksamkeit jener Storchenbetreuer und wohl auch einen gehörigen Anteil von Zufall ...
Entdeckt wird diese unerwünschte Ansammlung häufig dann, wenn eine Beringung*) der Jungstörche stattfindet; hier gilt die Anweisung, Unrat dabei sogleich auch dem Nest zu entfernen. (Die Tage beobachtete ich, wie ein Altstorch in Muhr am See ein mindestens Din A 4 -großes Teil (sah aus wie ein dünner Schuhabstreifer) ins Nest flog und sogleich ins Nest unter seine vier Jungstörche einbaute ...) Eine Geschichte, die zwar schon länger zurück liegt, aber gleichwohl exemplarisch sein dürfte: Auf dem Horst der Schloßapotheke in Oettingen wurde bei Beringungsmaßnahmen einmal festgestellt, daß beide Beine eines Storchenkindes mit synthetischem Bindegarn umwickelt und zusammengebunden waren. (Das sind die Schnüre, die Bauern zum Binden von Stroh- und Heuballen mittlerweile aussschließlich verwenden, und die dann oft einfach liegengelassen oder weggeworfen werden!). Selbst können sich Störche nur in den seltensten Fällen von derartigen Einschnürungen befreien, wie ja auch das Beispiel von Görsbach erst wieder gelehrt hat ... Wenn die Jungen dann sogar nicht einmal mehr aufstehen könnten, bleiben sie beim Fütterungsprozeß unbeteiligt und verhungern; spätestens aber wird es dann beim ersten Ausflug extrem problematisch, weil sie nicht mehr richtig auftreten (also auch nicht mehr normal landen) können. Eigentlich der sichere Tod, derartige Einschnürung durch die Bindegarne, durch diese faktisch als Fußfessel wirkende Beeinträchtigung ... Nochmals: das Storchenbein stirbt da häufig -- je nach Schwere der Einschnürung -- binnen kurzer Zeit ab.
Hierzu ergänzend:
Welche Gründe/Auslöser kann es geben, dass Elternstörche ihr Nest mit Jungen verlassen? Mögliche Antworten:
1) Schreckhafte Ereignisse, wie z.B. Tiefflug von Militärmaschinen, Abschießen von Böllern/Raketen etc.;
2) Eingriffe/Aktionen am Nest (Hantieren am/im Nest, Heranfahren mit Hebebühnen/Feuerwehr, etc.);
3) Anhaltende Dacharbeiten in unmittelbarer Nestnähe;
4) Ausfall bzw. Tod eines Altstorchs;
5) Extremer Nahrungsmangel;
6) Unerfahrenheit einer oder beider Altstörche.
*) In diesem Institut werden alle Beringungen aus Süddeutschland erfasst und dokumentiert: Max-Planck-Institut für Ornithologie Vogelwarte Radolfzell, Schlossallee 2 D-78315 Radolfzell-Möggingen
"Fortschritt" in der (landwirtschaftlichen) Produktionsweise führt dazu, daß Störche immer weniger Nahrung vorfinden ...
Es wird gerade wieder um die Verlängerung der Genehmigng für Glyphosat gerungen. (Und ich fürchte: auch wenn man vorgeschlagen hat, dieses Gift zunächst nur kurzfristig weiterhin zuzulassen, es wird dabei nicht bleiben. Zu einflußreich ist jene Lobby aus Chemie und Agrargigantomanie.) Dieses Totalherbizit tötet alles, was grün ist, aber auch Kleintiere wie Insekten, Schmetterlinge, Käfer, Amphibien wie Molche und Frösche, etc. Die Böden sind durch jene Spritzmittel eben nicht mehr frei von Giftstoffen!
Etwa 500 Gramm Futter benötigt ein erwachsener Storch für sich selbst, bis zu 1200 (später auch noch mehr bis hin zu 1600) Gramm ebenfalls tierisches Futter für jedes Storchenkind (hierbei kann man grob geschätzt sagen, ein Jungtier benötigte so viel Futter wie es jeweils gerade selbst wiegt, als ist der Nahrungsbedarf pro Tag ansteigend) Aber wo sollen denn all die von den Störchen als Nahrung geschätzten Regenwürmer, Mäuse, Insekten, Frösche denn unter diesen Produktionsbedingungen der Monokulturen bei gleichzeitigem Herbizideinsatz, bei nur zweimaliger jährlicher Wiesenmahd (so denn überhaupt noch Wiesenflächen in großer Zahl erhalten bleiben ... -- hier lassen Biosprit und Biogas mit ihrem Hunger nach Landwirtschaftsprodukten grüßen ...), bei Nichtbeachtung von Uferflächen und Feuchtgebieten denn noch herkommen?
Die Zukunft schaut da düster aus, wenn nicht eine entscheidende und schnelle Umkehr in Orientierung und Handeln gelingen sollte. Man muß endlich dazu übergehen, Agrarindustrien nicht mehr zu subventionieren, dafür mit den eingesparten Geldern Kleinbauern und mittelgroße Betriebe zu unterstützen, vor allem auch dafür, daß sie Auflagen zu reiner Landschaftspflege natürlich gegen Bezahlung zu erfüllen haben. Es wäre da viel gewonnen: keine Überproduktionen (mit dem üblicherweise daraus resultierenden Preisdruck -- siehe z. Zt. den unverschämt niedrigen Milchpreis) mehr, wieder eine Biodiversivität in der Natur, Bestandserhaltung der für eine gesunde Umwelt eigentlich unverzichtbaren kleinbäuerlichen Betriebe und die Bauern neben ihrem "ureigenen" Aufgabenfeld, Agrargüter für den Lebensmittelmarkt (wohlgemerkt: nicht für Biodiesel, nicht für Biogas!) zu erzeugen, wären geachtete (und für diese Arbeit auch zu entschädigende) Landschafts- und Habitatpfleger. Ich weiß, viel Zukunftsmusik klingt da aus mir, gleichwohl: wird es nicht gelingen, diesen Weg zu gehen, wird das Artensterben rapide voranschreiten, wird die Umweld immer lebensfeindlicher (auch für den Menschen!) ...
Aus der Gegend von Neuburg - Schrobenhausen wird beispielsweise für das Jahr 2014 berichtet, daß es viel zu wenig Mäuse als Nahrung für die Störche gebe. Die Wetterbedingen waren zwar eigentlich günstig. Es gab zwar keinen Kälteeinbruch und Dauerregen wie 2013, als frisch geschlüpfte Küken erfroren und in den Nestern ertrunken sind. Und 2014 gab es zwar keine frostigen Nächte, keine Unmengen an Niederschlägen, aber eine sehr schlechte Nahrungssituation, die zum Tod von Jungvögeln führte. In neun der zwölf Nester des Landkreises war gebrütet worden, Ende April und Anfang Mai schlüpften die Jungtiere. Da müssen dann einige Paare realisiert haben, daß das Nahrungsangbot nicht für alle Nachkommen reichte. In derartigen Situationen werfen die Alten Jungstörche aus dem Nest, angefangen mit dem schwächsten. (das machte z.B. 2015 in Loburg auch der Storch Albert, der dort seit Jahren immer wieder erfolgreich brütet; 2016 kam er allerdings für eine Brut viel zu spät aus seinem Winterquartier in Südafrika, zudem war "sein" Horst in Loburg auf dem Storchenhof mittlerweile von einem anderen Paar besetzt).
In Rennertshofen wurde ein toter Jungstorch unter dem Nest gefunden, es lebten von anfänglich fünf am Ende nur noch zwei, auch in Burgheim blieb nur einziger kleiner Storch am Leben. Ich beobachte immer wieder am Storchenkran die Entwicklung. Allerdings kann man die Anzahl der geschlüpften Küken dort nicht feststellen, da jene in den Nestern verborgen bleiben. Erst wenn sie größer sind, läßt sich (zumindest bedingt) zählen, wieviele es sind. Jedoch kann da keine Aussage über die Anzahl der ursprünglich geschlüpften Störchlein gemacht werden, da jene bei frühem Tod, sofern sie nicht aus dem Nest geworfen werden, auch von den Eltern im Nistmaterial verborgen oder gar aufgefressen werden. Die Annahme eines Geleges von durchschnittlich drei bis vier Eiern sollte meiner Meinung nach allerdings bei Berechnungsversuchen mittlerweile sehr vorsichtig gehandhabt werden.
Jedenfalls hat eine längere Trockenphase 2014 im Landkreis das Nahrungsangebot stark dezimiert. Ein weiteres großes Problem ist, daß das Gras zum jeweiligen Zeitpunkt entweder zu hoch stand als daß die Störche Futter finden konnten oder bereits komplett abgemäht war. Die frühere Mähmethode, Wiesen streifenweise abzumähen und jeweils den Rest für spätere Mahd stehen zu lassen, ist leider kaum noch üblich -- zumindest zum Leidwesen der Störche. Auch problematisch war der zurückliegende milde Winter, denn es gab keine sie schützenden Schneedecke, so daß Greifvögel sie verstärkt als Beute fingen: also dann zu wenig Mäuse für die Störche.
Ein Naturschützer riet davon ab, in jener Region neue Nester zu bauen, denn "für noch mehr Störche reicht einfach das Nahrungsangebot zur Zeit nicht aus."
Windräder werden immer wieder, auch von Naturschutzverbänden -- nicht zuletzt aus einer unkritischen bzw. einseitigen, auf eine Gesamtbilanz verzichtende Energiewende-Euphorie heraus -- verharmlosend dargestellt. Zum Beispiel bei Langerringen: Seit Wochen werden Ansammlungen von Störchen in der Umgebung von Gennach, Falkenberg und Schwabeich beobachtet. Darunter waren sogar seltene Schwarzstörche auszumachen. Auch die geschützten Rot- und Schwarzmilane beginnen sich dort wieder dort zu sammeln. Und für die sollen Windräder ungefährlich sein? Daten sprechen da eine ganz andere Sprache ...
Wetterbilanz mit Folgen für das Storchenleben: Einen Blick zurück auf das verregnete, verhagelte und kalte Wetter im Frühsommer 2013. In zahlkreichen Fällen verendete in bayerischen Storchennestern der Nachwuchs. Teilweise warfen Elterntiere die Kadaver aus dem Nest oder sie verließen die Jungen, weil sie selbst wegen Nahrungsmangel ums Überleben kämpften. Die Bilanz 2013 im Landkreis Augsburg: An zwölf Horsten bemühten sich Weißstörche um Nachwuchs, aus drei Nestern flogen im vergangenen Jahr schließlich vier Junge aus.
Erfreulicher verlief 2014: In den Tälern von Zusam und Schmutter schafften bis Mitte Juli an 11 Nestern 24 junge Störche den ersten Ausflug. Nach dem Frühjahrszug begannen die Brutgeschäfte im Zusamtal alles andere als optimal. In Westendorf musste die Feuerwehr ein zappelndes Küken aus dem Schneefanggitter der Kirche bergen. Der Tierarzt konnte nur kurzzeitig helfen. Von dem Fünfergelege überlebten drei Jungstörche. Weitere Bruterfolge im Schmuttertal: Gablingen (4 Junge), Ottmarshausen (2), Gessertshausen (2) und Fischach-Willmatshofen (2). Eine Enttäuschung gab es in Diedorf. Drei Junge schlüpften auf dem Horst der Kirche. Sie wurden anfangs gefüttert und gehudert. Als längere Abwesenheiten der Elternstörche auffielen, ahnten besorgte Nachbarn Schlimmes. Vom Kirchturm aus waren drei tote Küken zu sehen – Ursache unbekannt. Auch das neue Nest auf dem nun isolierten Strommast des Autohofs an der B 300 blieb verwaist.
Gessertshausen und Umgebung 2014 -- das Storchengeschehen:
2013 wurde auf einem Bauernhof ein Baukran aufgestellt. Auf dem Ausleger wurde von einem Storchenpaar erfolgreich gebrütet. Zwei gesunde Jungstörche flogen aus! Aus Fischach gab es eine positive Meldung, wonach im Ortsteil Willmatshofen ein Storchenpaar auf dem südlichen Sockel des Turmes ein mächtiges Nest errichtete. Die anschließende Brut dort verlief erfolgreich, im Juli flogen zwei Jungstörche aus. Es gab auch eine negative Nachricht, denn das Storchennest in Fischach auf der Kirche St. Michael blieb verwaist.
In Zusamzell gab es nach der Tragödie im Jahr 2013 freudige Nachricht: es flogen drei Jungstörche erfolgreich aus, dieselbe Anzahl in Wörleschwang. Als in Zusmarshausen am Kirchendach Dachdecker zu bauen begannen, zeigten die beiden bereits flüggen Jungstörche keine Scheu und verweilten weiter zeitweilig auf ihrem Nest. Allerdings haben die Elternstörche Mitte Juli dann angefangen, auf einem Strommast ein Ersatznest zu bauen, was ein LBV-Mitarbeiter als Gefahr für die Störche erkannte, denn die Leitungen waren nicht gesichert (Soforttod des Tieres beim Treffen eines Kotstrahls auf eine Stromleitung); er leitete dann die folgenden Maßnahmen ein, die ich hier gerne zur Schilderung der Ablaufwege bei einem derartigen Ereignis hier aufgreife: Die "Verständigungskette" geht von der Gemeindeverwaltung über die untere zur höheren Naturschutzbehörde und dann in diesem Fall natürlich zum Stromanbieter. Als Vertreter der Regierung von Schwaben ordnete der Storchenbeuftragte Anton Burnhauser die sofortige Entfernung des provisorischen Storchennestes an. Am folgenden Tag bauten die LEW (Stromanbieter) das Nest ab, sie isolierten dabei dann die Leitungen und montierten Metallbüschel als Abweiser (Vergrämungsmaßnahme!). In diesem Zusammenhang wurde übrigens betont, daß jedes Jahr auf diese Weise Dutzende von Großvögeln sterben -- was natürlich zutreffend und empirisch nachweisbar ist. Allerdings habe ich das schon ganz anders, nämlich stark verharmlosend, vernehmen müssen ... (siehe weiter oben)
Wie ist es nun mit den Störchen in Gessertshausen dann weitergegangen? Kirchendach war dann neu gedeckt Auf dem Kirchendach zeugten Kalkspuren (die hoffentlich dort nicht wie andernorts das ästhetische Empfinden einiger Herren irritieren ...), daß die jungen Störche wieder das alte Nest nutzten, lediglich die Elternstörche zogen das Dach der benachbarten Voglermühle vor -- dort keine Stromschlaggefahr durch Kotstrahl. Übrigens findet man derartige Ausweichsquartiersuche bei Elternstörchen immer wieder, wenn die Jungen dann flügge sind (bzw. kurz davor), dabei behalten sie jedoch stets ein waches Auge auf das Nest und ihre Jungen!
In Dinkelscherben gab wie im Vorjahr nur einen ausfliegenden Jungstorch, im Ortsteil Stadel wurde erstmals ein auf einem Holzmast errichtetes Storchennest angenommen und ein junger Storch dieses Nests überlebte.
Interessant sind die Aufzeichnungen im Atlas des Augsburger Landesamts für Umwelt hinsichtlich "Brutvögel in Bayern": seit der Kartierung der Weißstörche geht 2014 als ein erfolgreiches Jahr dort ein, denn der Bestand der Weißstörche im Landkreis Augsburg hat sich von Null (!) im Jahr 1996 nun auf elf Brutpaare erhöht. Dazu wurden noch die "Wildstörche im Augsburger Zoo" (schön, daß das dort richtigerweise so gewürdigt werden kann und nicht man auf die woanders immer wieder wahrnehmbare Schiene abfälliger Bemerkungen über Zoo-Störche, von einem immer noch tätigen Experten auch schon mal als "Nicht-Störche" abgewertet, verfällt ...), die zwei Jungstörche zum Ausfliegen (!!! dies für die in der vorangegangenen Klammer angesprochen Kritiker von Zoo-Leistungen zur Arterhaltung hervorgehoben ...) brachten, insgesamt also 25 Jungstörche in der Region Augsburg im Jahre 2014. Im Landkreis Aichach-Friedberg sollen übrigens erstmals seit der Gebietsreform iver Brutpaar gebrütet haben, das Ergebnis waren elf überlebende Jungstörche.
So kann man Störchen eben auch helfen: Rettungsaktion in Lauingen (Meldung vom Juli 2015)
Die Storchenbeauftragte Hildegard Zenetti und viele Helfer des Lanschaftspflegeverbandes Donautal Aktiv in Lauingen trugen zu einer erfolgreichen Wiederzusammenführung einer Storchenfamilie bei. Die auf dem Rathausdach in Lauingen wohnende Storchenfamilie litt zunehmend unter der großen Hitze. Bedingt durch Nahrungs- und Wassermangel stürzte eines der beiden Storchenjungen vom Rathausdach und wurde dann anschließend vom Tierarzt versorgt. Frau Zenetti fand das andere Storchenjunge dann hilfesuchend auf dem Dach des Albertus-Gymnasiums. Offensichtlich war es nicht mehr regelmäßig von seinen Eltern versorgt worden. (Die Eltern versorgen neben Nahrung ihre Jungen bei Hitze auch mit Wasser!) Wie ging es nun weiter?
Parallel zu den Hilfsmaßnahmen für die Jungstörche wurde man im Umfeld des Nestes tätig: Unter der Leitung des Artenschutzbeauftragen der Regierung von Schwaben, Anton Burnhauser, mit Unterstützung der unteren Naturschutzbehörde am Landratsamt Dillingen, der Ortsgruppe des Bund Naturschutz Lauingen sowie Donautal-Aktiv e.V. wurde eine Rettungsaktion durchgeführt. Der Bauhof der Stadt Lauingen bewässerte die Mulden in der Frühstückswiese der Störche, die speziell für den Lauinger Storch angelegt worden waren. Dann wurde das tierärztlich versorgte Junge dort wieder in die Natur entlassen und schon am nächsten Tag wurde die Storchenfamilie wieder vereint auf der Wiese gesichtet.
Das Bayerische Umweltministerium fördert u.a. das "UrEinwohner Projekt" und mit Mitteln davon soll laut Landrat Leo Schrell in den folgenden Jahren nach zusätzlichen Nahrungsflächen für die Lauinger Störche gesucht und durch Öffentlichkeitsarbeit für deren Schutz geworben werden.
Da kann ich nur noch kommentieren: Ein Beispiel, das Schule machen sollte!
Storch sucht Nahrung für sich auf einer Isnyer Wiese nahe seinem Horst und findet dabei Nistmaterial -- nun nichts wie hin zum Horst ...
Ein Beispiel für eine hervorragende, gründliche Analyse und Dokumentation: (hier: Thematisierung geringer Ausflugserfolge an Hand von zwei Bereichen)
WENN ALLE SO DEN JEWEILIGEN GEGENSTAND ERÖRTERN UND DOKUMENTIEREN WÜRDEN WIE IN DER NACHFOLGEND DARGESTELLTEN ARBEIT, KÖNNTE DIES FRUCHTBRINGENDE DISKUSSIONEN BEFÖRDERN (WIEDERGABE ERFOLGT MIT FREUNDLICHER GENEHMIGUNG VON MICHAEL ZIMMERMANN, ERLANGEN, NUH ERLANGEN):
Nestunterlage und Bruterfolg des Weißstorchs (Ciconia ciconia) an zwei Brutplätzen im Rotmaingebiet
Von EDMUND LENZ, Höchstadt a.d. Aisch und MICHAEL ZIMMERMANN, Erlangen
(auf das informative und die Arbeit illustrierende Bildmaterial mußte ich hier leider aus Urheberrechtsgründen verzichten)
Unter einer ähnlichen Überschrift hat sich Robert PFEIFER (1989) mit dem Bruterfolg der Weißstörche von Altdrossenfeld und Oberkonners- reuth beschäftigt. Auslöser dieser Arbeit war der geringe Bruterfolg von 1,28 flüggen Jungen pro Horst und Jahr, der noch deutlich hinter dem (für die Arterhaltung zu niedrigen) bayerischem Mittelwert von 1,79 zurückbleibt.
R. PFEIFER fand für den besonders geringen Bruterfolg in nassen Sommern folgende Erklärung:
-> Schlechtes Wetter
-> Zeitliche Verschiebung der Heumahd
-> (Alttiere finden im hohen Gras keine Regenwürmer)
-> Schlechte Bodenzugänglichkeit der Wiesen
-> Verhungern der Brut
Diese Aussage deckt sich mit der des bayerischen Storchengutachtens (BURNHAUSER 1983, Seite 54), welches "sukzessives Verhungern durch ungünstige Ernährungsbedingungen als wesentliche Verlustursache nestjunger Störche" sieht.
Nun, wer die Bewirtschaftungspraxis in einer Talaue ein paar Jahre beobachtet, weiß, daß die Bauern entsprechend ihrer verschiedenen unternehmerischen Risikobereitschaft den Zeitpunkt der Heumahd keineswegs einheitlich wählen, so daß sich doch Zweifel an der Richtigkeit der gegebenen Erklärung aufdrängen. Überdies liegen die Regenwürmer bei Nässe nicht nur im hohen Gras, sondern auch auf den meist hart verbauten landwirtschaftlichen Wegen, oft in einer Dichte, daß man kaum Platz für den nächsten Tritt findet. Auch die Art und Weise, wie schnell eine vitale Brut bei Starkregen die Köpfe nicht mehr über den Nestrand hebt, nährt die Zweifel an der dargebotenen Erklärung. R. PFEIFER erwähnt zwar selbst alternativ einen möglichen "Kausalzusammenhang zwischen der Beschaffenheit der Nester und den Vogel- verlusten in Regenperioden", verfolgt diesen Gedanken aber bedauerlicher Weise nicht weiter. Dies möchten wir hiermit nachholen.
Bis Anfang der 80er waren auch wir Anhänger der Hungertheorie. Am 28. 5. 1983 haben wir dann aber dazugelernt: nach einer Regennacht konnten wir von unten keine Jungtiere mehr sehen und mancherorts strichen beide Alttiere vom Horst ab (normalerweise bleibt bei einer jungen Brut immer ein Altvogel am Nest). Wir fuhren deshalb unsere Horste mit der Feuerwehrleiter an und mußten die grausige Feststellung machen, daß 70% der Jungtiere an Unterkühlung eingegangen waren. Eine andere Diagnose war nach Lage der Dinge absolut unmöglich: die Nestmulden hatten sich in Schlammlöcher verwandelt, das Dunengefieder der Jungtiere war unbeschreiblich verschmutzt und verklebt und alle Jungen, ob tot oder lebendig, waren in einem guten Ernährungszustand.
Auch in den darauffolgenden Jahren haben wir unsere Horste nach Regen angefahren und festgestellt, daß im Mittel etwa 50 % der Jungtiere nach Regen an Unterkühlung sterben. Wenn man sie daran hindert, indem man das Nest rechtzeitig wasserdurchlässig macht, dann verdoppelt sich die Ausflugsquote. Nahrungsmangel spielt nach unserer Erfahrung, demgegenüber nur eine geringere Rolle. Als praktizierender Storchenschützer bekommt man nach dem Ausfliegen der Bruten wieder viel zu viele Jungtiere in die Hand, nämlich die Opfer elektrischer Freileitungen. Wir haben nicht versäumt sie auf die Waage zu legen. Die Gewichte lagen mit 3-4 kg allesamt im Normalereich.
Ursache der Horstvernässung ist zunächst der Plastikeintrag der Alttiere. Nach Hochwasser sind in der Talaue reichlich Plastikfetzen zu finden, die zur Nestpolsterung nach Hause getragen werden. Wir haben darüber einen Aufsatz in den Berichten der Akademie für Naturschutz und Landschaftspflege (LENZ & ZIMMERMANN 1990) veröffentlicht.
Wenn allerdings bereits die angebotene Nestunterlage wasserdicht ist (Holzplatte mit Dachpappe, Bleche, Platten aus Stein oder Eternit), dann wird der Horst wegen ungenügenden Wasserablaufs auch ohne Plastik zur Todesfalle.
Auch Körbe aus Weidengeflecht sind gleichermaßen gefährlich, was auf Anhieb nicht verständlich ist, da ja jedermann weiß, daß man in einem Weidenkorb kein Wasser tragen kann.
Nun ist es aber so, daß der natürliche Horsteintrag neben Gras und Mist auch einen hohen Anteil lehmiger Erde aufweist. Letztere verbindet sich durch Trittmassage mit dem Korbgeflecht, das schließlich wie eine Armierung wirkt, zu einer praktisch wasserundurchlässigen Struktur.
Die Horstunterlagen von Altdrossenfeld und Oberkonnersreuth bestehen aus solchen Körben, die zudem noch gegen Funkenflug aus den Kaminen, denen sie aufsitzen, durch eine Eternitplatte bzw. durch Blech geschützt sind. Unter diesen Umständen braucht man sich wirklich nicht zu wundern, wenn nach Starkregen die Bruten verschwinden (zuletzt Ende Juni in Oberkonnersreuth).
Die Weidenkörbe sollten daher umgehend durch wasserdurchlässige Nestunterlagen ersetzt werden. Wir haben im Nestunterlagenbau schon mehrere Jahre Erfahrung und würden gerne dabei helfen.
Es sollte jedoch nicht unerwähnt bleiben, daß sich die Storchenschützer, die Weidenkörbe verwenden (Schwerpunkt Oberpfalz), durch zahlreiche Neuansiedlungen große Verdienste erworben haben.
Die Hungerkerben
Zum Schluß berichtet R. PFEIFER über "Hungerkerben" bzw. "Hungerstreifen". die 1987 bei der Altdrossenfelder Brut aufgetreten sind und glaubt, daß sie "auf extremen Nahrungsmängeln während der Federwachstumsphase beruhen können".
In nassen Sommern entdeckt man gelegentlich bei Jungstörchen schon mehrere Wochen vor dem Ausfliegen, daß sich die Handschwingen nicht normal entwickeln. Wenn sie bei der Fluggymnastik die Flügel ausbreiten, wird sichtbar, daß Handschwingen entweder ganz fehlen, unterentwickelt oder drehwüchsig sind.
Die normal entwickelten Geschwister fliegen mit etwa 63 Tagen und wagen mit 68 Tagen die ersten Bodenlandungen in der Talaue. Die Alttiere füttern in dieser Zeit am Horst immer seltener, schließlich wird nur noch auf der Wiese Nahrung vorgewürgt, was natürlich nur dem flugfähigen Nachwuchs zugute kommt. Der flugunfähige steht derweil hungernd auf dem Horst und magert ab. Wenn die Alttiere am Abend nach Hause kommen, entziehen sie sich dem aufdringlichen Betteln, indem sie nicht auf dem Horst übernachten, sondern auf einem benachbarten Giebel oder Kamin. Schließlich sind die flugunfähigen Jungen zu jedem Risiko bereit und starten mit dem Familienverband, als wäre das Gefieder in Ordnung. Nach ein paar Metern kommt es zur Bruchlandung, wenn sie Glück haben, einigermaßen unverletzt. Der Horstbetreuer wird gerufen und birgt die abgemagerten Tiere.
Die Diagnose: "unvollständige Gefiederentwicklung wegen akuter Unterernährung (Hungerkerben)" drängt sich förmlich auf. Aber ist sie auch richtig?
Die Unterkühlungskerben
1987 trat das beschriebene Phänomen bei mehreren Jungtieren unseres Beobachtungsgebietes auf und zwar bezeichnenderweise ausschließlich in Horsten, die von oben her einsehbar sind. Hier braucht bei einsetzender Nässe nicht befürchtet zu werden, daß der bruterhaltende Eingriff zu spät kommt. Einer dieser Horste befindet sich in Gerhardshofen auf dem Pfarrhaus. Der benachbarte Kirchturm bietet hervorragenden Einblick. Zu diesem glücklichen Umstand kommt ein weiterer: M. Kress und J. Heber beobachten und fotografieren krisenhafte Entwicklungen täglich. Es geschah folgendes:
09.06.87 Die 5er Brut ist etwa 22 Tage alt, wohl genährt und vital. Die Alttiere hudern nicht mehr. Es setzt Regenwetter ein, kein Starkregen, doch mehrere Schauer
12.06.87 Schauerwetter hielt an. Horst ist deutlich vernäßt. Die beiden größten (erstgeschlüpften) Jungtiere benützen die drei jüngeren Geschwister als Unterlage gegen die Horstnässe. Die Alttiere füttern reichlich.
14.06.87 Die drei jüngeren Geschwister sind durch Nässe und Schmutz deutlich dunkler gefärbt als die beiden älteren.
15.06.87 Zunahme der Niederschläge. Die drei jüngeren sehen vor Nässe und Schlamm fast schwarz aus. Längeres Zusehen schien uns nicht mehr verantwortbar. Die drei “Schwarzstörche” werden dem Nest entnommen. Wir können feststellen, dass sie stark unterkühlt, aber wohlgenährt sind. Die Handschwingen sind in diesem Alter schon vorgebildet und spitzen aus den blauen Blutkielen (siehe Abbildung 1).Die produzierenden Zellverbände müssen (müssten) optimal durchblutet sein.
20.06.87 Die drei “Schwarzen” werden wieder eingehorstet. Sie wurden mit Fischen, Mäusen und Eintagsküken ernährt. Das Gefieder ist wieder weiß. Die Alttiere schaffen ausreichend Nahrung herbei.
Bereits wenige Tage später zeigt sich ein Unterschied zwischen den belassenen und den vorübergehend ausgehorsteten Tieren: bei den letzteren sind bei ausgebreiteten Flügeln in der Reihe der Handschwingen Kerben zu erkennen, die mit zunehmendem Alter immer auffälliger wurden. Nach dem "Ausfliegen" haben wir sie eingefangen und in den Nürnberger Tiergarten gebracht, wo sie nach der Mauser flugfähig wurden (siehe Abb. 2 und 3).
Kerben im Erstgefieder von Jungstörchen sind somit Unterkühlungsschäden. Während Starkregen junge Storchenbruten in Gefahr bringen, an Unterkühlung zu sterben, kann länger anhaltendes Schauerwetter ab der dritten Lebenswoche dazu führen, daß der Körper des Jungtieres versucht, durch Zentralisation des Blutkreislaufes den totalen Zusammenbruch des Wärmehaushaltes zu vermeiden.
Infolgedessen werden die Blutkiele der Handschwingen an den Flügelextremitäten nur unzureichend mit Blut versorgt und sind somit nicht in der Lage, ein gesundes Gefieder zu produzieren (vgl. kalte Hände und Füße im Winter!). Die Gefiederlücken an den Handschwingen sind somit UnterkühIungskerben.
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Abb. 1: Nach einer Woche Schauerwetter ist der Horst der etwa 22 Tage alten 5er Brut stark vernäßt. Die drei jüngeren Geschwister werden von den beiden älteren als Unterlage gegen die nasse Horstmulde benutzt. Dies führt zu einer starken Gefiederverschmutzung der Unterliegenden. Da mit ihrem Tod durch Unterkühlung gerechnet werden muß, werden sie vorübergehend ausgehorstet. Beachte: Die Handschwingen stecken in den Blutkielen, die in dieser Entwicklungsphase intensiv durchblutet werden müßten.
Stark vernässte Brut
Abb.2: Die Brut ist jetzt etwa 45 Tage alt. Die drei "Schwarzstörche" sind längst wieder eingehorstet und das Gefieder ist wieder weiß, sogar zu weiß. Der hintere Teil des Rückens (Handschwingen) müßte nun bei normaler Gefiederentwicklung homogen schwarz gefärbt sein. Dies ist bei dem Tier im Vordergrund (mit dem Rücken zum Betrachter) erkennbar nicht der Fall (im Hintergrund ein Alttier).
Brut 45 Tage alt
Abb. 3: Die Brut mit einem Alter von etwa 57 Tagen. Bei dem Jungtier Mitte hinten sind deutlich die Unterkühlungskerben im Handgefieder zu erkennen. Es wird zusammen mit den beiden sitzenden Geschwistern' zunächst flugunfähig bleiben.
Brut mit etwa 57 Tagen
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Zusammenfassung
Die geringen Ausflugerfolge der Weißstörche in Oberkonnersreuth und Drossenfeld sind auf ungeeignete Nestunterlagen (zu wenig wasser- durchlässig) zurückzuführen.
Die Gefiederschäden der Brut von Altdrossenfeld 1987 (Lücken in den Handschwingen) sind Unterkühlungsschäden, die entstehen, wenn bei anhaltendem Schauerwetter durch Zentralisation des Blutkreislaufes die BIutkiele der Schwungfedern unzureichend versorgt werden.
Literatur
PFEIFER, R. (1989): Zu Nahrungssituation und Bruterfolg des Weißstorches an zwei Brutplätzen im Rotmaingebiet. - Anz .Orn .Ges. Bayern 28: 117-130.
BURNHAUSER, A. (1983): Zur ökologischen Situation des Weißstorchs in Bayern. - Institut für Vogelkunde, Garmisch-Partenkirchen. 3. Juni 1983, Seite 54.
LENZ, E. & M. ZIMMERMANN (1990): Die Jugendsterblichkeit beim Weißstorch. - Berichte der ANL 14: 141-148.
Verfasser: Edmund Lenz Michael Zimmermann
Dieser während der Brut plötzlich von der DB aufgestellte Bohrturm wurde der aus Spanien stammenden Storchenmutter beim morgendlichen Flug zwecks Nahrunssuche für ihre Kleinen zum Verhängnis. (Sie kannte das Hindernis nicht, war auch vermutlich von der Morgensonne geblendet.)
Demnächst hier mehr, vor allem über die Reproduktionsrate ...
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