Gesammelt
(Aufnahmen des Geschehens am Storchenkran, April 2015)
Der Storchenkran in Kirchheim / Schwaben
Seit vielen Jahren erfreut der "Storchenkran" in Kirchheim Storchenfreunde und Naturliebhaber. Eigentlich sollte er seinerzeit abgebaut werden; da fing ein Storchenpaar an, ein Nest zu bauen und so blieb der Kran eben stehen. Der Firmeninhaber (Herr Holzheu) und seine Familie standen der Veränderung sehr positiv gegenüber. Was mit einem Storchenpaar angefangen hatte, weitete sich dann mit der Zeit aus. Heuer (2016) sind es elf Horste und ein zusätzlicher Nestbauversuch, der allerdings trotz aller Bemühungen des Neupaares letztlich scheiterte --, zu ungünstig ist die von ihnen hier ausgewählte Lage.
Was für die Störche und für das menschliche Auge natürlich eine "Oase" war, bedeutete für die Firma, für die dort Arbeitenden, allerdings nicht gerade selten auch eine Belastung. Natürlich gab es Belästigungen durch Storchenkot, Nestabwürfe, Beseitigung (meist nach widriger Witterung) verstorbener Küken, eben all das, was wir mit Wildtieren so erleben können. Auch Verletzungen, teilweise mit Todesfolge gab es hin und wieder. Ein einziges Beispiel hierfür: ein einbeiniger Storch hatte sich vor drei Jahren im Gestänge des Krans verfangen und konnte sich nicht mehr aus eigener Kraft befreien. Da kletterte ein Arbeiter hinauf, befreite den Storch nicht nur, sondern er wurde zur Pflege vom Firmeninhaber sogar noch nach Salem (Affenberg, Naturzoo, Leitung: Dr. Hilgartner) gebracht, eine mehr als lobenswerte Aktion, auch eine hilfreiche Tat, die leider in ähnlichen Fällen von anderen "Experten" nicht immer geleistet oder wenigstens angeraten wird ...
Bei aller Liebe zu den Störchen muß man durchaus auch die Belastungen für Firma und Firmengelände sehen. Umso erfreulicher, daß man dort für die Störche stets Verständnis und Entgegenkommen zeigte. Dies gilt es zu sehen, dies gilt es zu würdigen -- und zwar ungeachtet der rechtlich bestehende Tatsache, daß Nester von Vögeln -- besonders von streng geschützten --, die dauerhaft (und dazu gehört auch die winterliche Abwesenheit als Übergangsphase bis zur regelmäßigen Rückkehr der Nestbesitzer!) genutzt werden, grundsätzlich nicht beseitigt werden dürfen.
Dieser Kran für Störche wurde deutschlandweit bekannt, er zog immer wieder Neugierige und Naturfreunde an, brachte für so manchen Abwechslung in seinen oder ihren Alltag ... Leider wird dieser Kran das Ende des Jahres 2016 nicht mehr erleben; er wird im Herbst 2016 abgebaut, zurückkehrende oder überwinternde Störche werden ihr Domizil nicht mehr vorfinden.
Es war davon auszugehen, daß der Storchenkran nicht "ewig" stehen würde, jedes Jahr, in dem er den Störchen erneut eine Heimat bot, war schon eine Art von "Wunder". Meine Mutmaßungen, die sich aus einem Zeitungsbericht über ein Treffen von Verbandsvertretern ergaben (im Frühjahr 2016; ich hatte darüber an anderer Stelle informiert), nämlich der Abbau des Krans könnte zeitlich nicht mehr in weiter Ferne liegen, hat sich leider bewahrheitet.
In einem sehr offenen und interessanten Gespräch mit dem Firmeninhaber am 16. Juni 2016, in dem alle Aspekte des dortigen Storchengeschehens angesprochen wurden, fragte ich ihn dann direkt, wie lange der Kran noch stehen würde und bekam von ihm die Mitteilung, er würde im Herbst dieses Jahres noch demontiert. Ein wesentlicher Grund hierfür sei, daß für den Erhalt des alten Kranes auch keine Genehmigung durch den TÜV mehr zu erhalten sei.
Allerdings hat der storchenfreundliche Firmeninhaber mir gesagt, er möchte am nördlichen Ende seines Betriebsgeländes -- dort hätte er noch ein Grundstück, das er für den Betriebsablauf nicht benötige -- Ersatz für die Störche schaffen. Er sprach von "sechs bis zehn Masten mit Nisthilfen", die er dort aufstellen lassen möchte.
Erfreulich auch seine Einschätzung über die Zahl der immer wieder vorhandenen Storchenpaare, denn von einigen Leuten (auch von Teilen eines Naturschutzverbandes) sei immer wieder kritisiert worden, die Störche fänden in der Gegend des Storchenkrans nicht genug Nahrung, es wären also zu viele Störche da. Da meinte er unmißverständlich, die Störche würden ja nicht zugefüttert werden und wenn sie keine Nahrung dort finden würden, hätten sie nicht immer wieder diese Nester bezogen. Diese Auffassung ist natürlich richtig und wird obendrein dadurch bestätigt, daß in aller Regel Nestkämpfe und Angriffe auf brutpflegende Paare ausgeblieben sind. Vagabundierende Störche ließen sich zwar häufiger auf dem Gestänge nieder, verschwanden jedoch relativ schnell wieder, als sie realisierten, daß auf dem Kran und in der Gegend kein Platz mehr für sie war. Meine unzähligen Beobachtungen vor Ort und in der Umgebung können dies alles nur bestätigen.
Die Masten für die "Ersatzhorste" erhält Herr Holzheu von einem Energieversorger. Wenn der Storchenkran nun schon nicht mehr zu halten ist, bleibt zu hoffen, daß man dem für die Belange der Störche so offenen Firmeninhaber bei seinem Vorhaben jegliche Unterstützung zuteil werden läßt, ihn vor allem nicht mit das Ziel konterkarierenden Vorgaben und Besserwissereigebaren an seinem löblichen Tun (be-)hindert. Es ist ohnehin äußerst erfreulich, daß hier neben der eigentlichen Arbeit ein Aufwand für die Natur betrieben wird -- dazu gehört sicherlich auch ein Kostenaufwand, denn mit finanzieller Unterstützung von anderer Seite dürfte wohl kaum zu rechnen sein! -- und diese Haltung, diese Motivation gilt es voll und ganz zu unterstützen ...
Trotz aller Wehmut um das Ende des Storchenkranes: Vielen Dank, daß die Störche dort eine so lange Zeit eine Heimat haben konnten und daß man ihnen angesichts der gesehenen Notwendigkeit des Abbau dieses wohl einzigartigen Kranes seitens Firmenleitung weiterhin Unterstützung und Hilfe geben möchte und wird!
Der Storchenkran im Mai 2016 vor der großen Regenperiode: elf besetzte Nester, an einem zwölften wird gebaut (aus südlicher Richtung gesehen).
Der Storchenkran am 08. Mai 2016 (aus nördlicher Richtung gesehen).
Die folgenden Bilder vom 16. Juni 2016 im Rahmen des o.g. Gesprächs:
... und so stellt sich das Gelände um den Storchenkran dar, zu sehen auch die Wiese und deren Umgebung, wo dann -- hoffentlich -- Störche ein neues Zuhause finden können ...
Der Storchenkran aus nördlicher Sicht ...
... und hier könnte die Ersatzheimat für die Störche entstehen ... allerdings müssen die Stromleitungen "entschärft" werden, weil sich der Anflug für die Störche sehr verändern würde ...
... und solche Anblicke wird es dann nicht mehr geben, wie auch immer geartete Ausgleichsmaßnahmen können dieses qualitativ einzigartige Storchenidyll wohl kaum ersetzen ...
ANFANG UND ENDE
Anfang und Ende der Dinge werden dem Menschen immer
ein Geheimnis bleiben: Er ist ebenso unfähig, das Nichts
zu sehen, aus dem er stammt, wie die Unendlichkeit zu
erkennen, die ihn verschlingen wird.
(Blaise Pascal 1623-1662, französischer Philosoph, Literat)
Nachdem der Storchenkran endgültig abgebaut wurde, begann mit den Arbeiten zur Errichtung einer Alternative. Diese wird etwas nördlich von der Stelle des alten Krans errichtet, befindet sich weiterhin auf dem Grund der Holzbaufirma und wird insgesamt aus neun Horsten bestehen. Bildmaterial wird hier später präsentiert. (Zur Zeit verweise ich diesbezüglich auf die Rubrik "Bilder", dort dann unter "Bilder 5".)
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