Beispiele für das was Störche so erleben (müssen), aber auch nicht mehr erleben können, und was über sie so alles geschrieben wird, und wie wir unser Denken im Interesse der Störche flexibel halten sollten.
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Beispiele 2
Wer ist nun schuld: der Storch oder diejenigen, die (auch gesetzlich geforderte) Schutzmaßnahmen unterlassen haben?
Fast schon katastrophenbezogen meldet die Augsburger Allgemeine Zeitung vom 01. Juni 2015 17:07 Uhr online: "Vogelkot macht Leitung tot - Störche verursachen Kurzschlüsse". So ist in manchen Ammersee-Gemeinden immer wieder mal der Strom weggeblieben und die Störche dort wären da ursächlich. Vor allem in Dießen, Pähl oder Utting sei der Strom immer wieder mal kurz unterbrochen gewesen.
Das Elektrizitätswerk erklärt, daß "die Hinterlassenschaften von Vögeln für Probleme sorgen". (AZ) Der Vogelkot sorge dafür, daß die Spannung überspringt und es dann zu einem Kurzschluß kommt. Auch der dort zuständige Netzbetreiber, das Bayernwerk (eine E-ON-Tochter), zuständig für die dortigen Hoch- und Mittelspannungsleitungen, bestätigt diese Problematik. Betroffen sei besonders die 110-Kilovolt-Leitung; sie kommt aus Südosten und verläuft quer über die Wiesen des Ammersees zum Umspannungswerk zwischen Dießen und Raisting.
Mal flackert’s nur kurz, mal ist der Fernseher ganz weg und das Kabelprogramm muss sich neu einwählen. Wer in Dießen, Pähl oder auch Utting lebt, ist in der jüngsten Vergangenheit immer wieder damit konfrontiert worden, dass der Strom kurz unterbrochen war. Die hohen Masten seien für große Vögel besonders attraktiv (was grundsätzlich auch stimmt!) und ihr Kot fällt auf die Isolatoren, irgendwann werde dann auch die Distanz zwischen Leitung und Mast überbrückt und es kommt zu einer Erdung. Es entsteht also ein kurzzeitiger Kurzschluß. Meist sei dies nur als Flackern bemerkbar, manchmal aber führe das auch zu einem kurzzeitigen Stromausfall. Teilweise müßten aber nach einem Stromausfall Anlagen wieder neu eingestellt werden (z.B. Telefon, Heizung), sofern man keine unterbrechungsfreie Stromversorgung (USV) betreibt. Auch könnten Geräte Schaden nehmen.
Die E-Versorgung stellt fest, daß das "Thema Vogelkot (...) immer wieder mal eine Rolle" spiele und "entgegenwirken könne man dem nur durch Maßnahmen am Mast", z.B. auch durch Ansitzverhinderer wie speziellen Metallbüscheln. Der dortige Storchenexperte Wolfgang Bechtel bestätigt diese Aussagen und meinte, daß die "einjährigen Tiere, die hier übersommern, aber noch keine Horste besetzen, ihre Schlafplätze eher bei den Satellitenantennen oder am Sportplatz" hätten. Erst seit heuer würden sie wieder vermehrt auch auf den Querbalken der Hochspannungsleitungen sitzen. Das könnten dann schon mal zehn Tiere auf einem Mast sein. Und heuer (2015, d.V.) sei auch eine besonders große Zahl dieser Nichtbrüter da."
Und die gute Nachricht? (Natürlich außer der, daß es Gott sei Dank auch in jener Gegend Störche gibt!). "Das Bayernwerk hat", so dessen Sprecher Rainer Kolloch, "nun 1000 Schutzeinrichtungen in dem Bereich. Offensichtlich mit Erfolg, denn seither gibt es keinen Ausfall mehr."
Na, es geht doch! Warum nicht gleich so! Warum nicht gleich so, wie es seit Jahren die gesetzlichen Vorgaben zum Schutz der Großvögel verlangen ...
Geht es auch ohne jenen erhobenen Zeigefinger?!
Auf der Webseite von "storch-bw.de" konnte man am 20. November 2015 unter anderem lesen, daß "viele Störche (...) in Oberschwaben geblieben" sind, daß in Riedlingen und Obermarchtal "kürzlich die Nester besetzt" waren, daß dort auch eine größere Anzahl von Störchen sei. Auch "im Rißtal bei Ummendorf, Ingoldingen" sei ein Storchentrupp noch anwesend. "Im kalten Bad Wurzach ist Störchin geblieben", heißt es dort weiter und im "schneereichen Isny sind 6 Störche". Diese Meldungen sind insofern schon interessant, als es ja hier nun wirklich eher schon langsam winterlich wird. Aber es ist auch bekannt, daß zunehmend immer mehr Störche hierzulande überwintern, allenfalls bei unzureichendem Nahrungsangebot (z.B. bei allzu dicker Schneedecke, bei tief gefrorenem Boden, etc.) für eine entsprechende Zeit dann Richtung Bodensee oder auch noch nach Südfrankreich fliegen, von dort dann jedoch schnell auch wieder zurückkehren. Die Störche haben eben ein Gespür dafür, was die jeweilige Witterung für sie bedeutet und wie sie sich zu verhalten haben ...
Weiter lesen wir, daß "östlich von Memmingen bei Salgen, Pfaffenhausen (...) eine Storchenschar mit 27 Störchen" sei. Hierzu sei gesagt: In Pfaffenhausen gibt es ein Stammstorchenpaar, das schon seit Jahren im Horst auf dem Blindenheim brütet, ebenso gibt es in Salgen ein Paar, das schon seit Jahren in seinem Nest auf einem Stromverteiler lebt und auch immer wieder brütet. Beide Paare sind Überwinterer bzw. manchmal auch "Winterstörche" mit nur kurzer Abwesenheit. Bekannt ist natürlich auch der etwas weiter entfernte Storchen-Kran in Kirchheim; dieses Jahr hatte er acht Nester mit den entsprechenden Paaren. Zur Zeit (Stand 24.11.2015) sind noch zwei Störche bei einbrechender Dunkelheit dort zu sehen; höchstwahrscheinlich handelt es sich hierbei um das Brutpaar des äußersten rechten Nestes auf dem Ausleger, allerdings wird von ihnen -- wie auch schon in vergangener Zeit -- immer wieder das daneben liegende Nest als Zweithorst genutzt (und, wenn notwendig, auch verteidigt!). Was hat es nun mit der auf jener Webseite genannten "Storchenschar mit 27 Störchen" auf sich? In jener Gegend finden sich ab etwa Ende August immer wieder größere Storchentrupps, die dort auf ihrem Zug nach Süden eine Pause einlegen, die je nach Aufwindsituation mal länger, mal kürzer ist. Sie halten sich tagsüber auf den Feldern auf, die ihnen noch Nahrung bieten (leider hat auch hier die Vermaisung und Trockenlegung von Anbauflächen extrem zugenommen!) und nächtigen dann nachts auf dem Kran, vor allem auch auf dem Dach der Pfaffenhauser Kirche (was vielen gefällt, einigen wegen der Einkotung wiederum nicht so sehr ...), auf hohen Masten, auch auf dem Dach des Blindenheims (sofern es die Stammstörche von ihrem Horst aus "dulden" ...). Es ist also ein steter Wechsel vorhandener und abfliegender Storchentrupps zu beobachten. Hier bleiben im Winter außer den Stammstörchen zur Zeit nur ganz wenige, also handelt es sich um seltene Ausnahmen.
Richtig ist es, wenn die Autoren jener Webseite darauf verweisen, daß Störche im Winterhalbjahr gesellig sind und es keine bzw. kaum Revierkämpfe gibt. Das hängt mit dem dann fehlenden Brutgeschehen zusammen. Auch ist richtig, daß die letzten Winter "so mild (waren), daß es für die Störche kein Problem war". (Damit ist sicherlich die Nahrungssituation gemeint, denn Kälte per se macht den Störchen relativ wenig aus, da ist große Hitze viel problematischer!) Weshalb aber dann gleich diese Schlußfolgerung als rhetorische Frage verkleidet: "Ob da wo grössere Storchenansammlungen sind auch zufällig zugefüttert wird?"
Auf diese Zeigefinger mag und kann der wahre Storchenfreund gut und gerne verzichten! Steckt dahinter gar die radikal-darwinistische Auslesedoktrin, wonach die Natur schon alles regelt und der Mensch nicht einzugreifen hat? Also damit auch implizit das Leugnen der Tatsache, daß der Mensch vielfältig und häufig auch in einer unverantwortlichen Weise die Natur für die Tiere, vor allem auch für die Störche zerstört hat und deshalb gefälligst dieser Tatsache Rechnung zu tragen hat -- und das nicht nur in Analyse sondern auch im Tun?! Dies steht zu befürchten, denn im Impressum wird auf die Storchenbetreuerin von Süd-Württemberg, Ute Reinhard, verwiesen, deren Haltung gegen Zufütterung und andere Nesteingriffe ja sattsam bekannt ist.
Ist der Zeigefinger auch schon vom Grundansatz meiner Erachtens deplaziert und nicht zielführend, wenn es um den Erhalt einer tragfähigen Storchenpopulation und um wirksame Hilfe von Störchen in Not geht, dann sollte er vor allem dann selbstverständlich unterbleiben, wenn aus einer Beobachtung von Storchenansammlungen entsprechend falsche Schlußfolgerungen gezogen oder auch nur angedeutet werden, weil eine gute, differenzierende Analyse unterblieben ist bzw. aus welchen Gründen auch immer erst gar nicht beabsichtig ist.
Mag es beruhigen oder auch nicht: die Storchentrupps in der hiesigen Gegend werden nicht zugefüttert, schon allein weil es nicht notwendig ist. Und wäre es anders; dann würde das nur einlösen, was der Mensch versäumt hat: eine Kompensation den Tieren gegenüber für das an ihnen begangene Unrecht bezüglich egozentrischem, ausbeuterischem Umgang mit der Natur.
Und für all jene, die ihre Leben ganz besonders in christlicher Orientierung einzubetten wissen, seien die Worte ihres "obersten Hirten" in Erinnerung gerufen; Papst Franziskus hat erst unlängst unmißverständlich betont, daß der MENSCH NICHT DIE KRONE DER SCHÖPFUNG, SONDERN NUR EIN TEIL VON IHR sei. Damit stellt er sich ganz klar gegen das, was von kirchlicher Seite all die Jahrhundert gepredigt wurde (nämlich der Mensch wäre die Krone und solle sich die Welt untertan machen ...) und sicherlich zumindest mit dazu beigetragen hat, daß der Mensch sich Flora und Fauna gegenüber rücksichtslos und ausbeuterisch verhalten hat. Hier ist eine neue Denkweise, damit auch eine: Umkehr, gefragt und notwendig! Zum Wohle aller Lebenwesen ...
Polizei rettet einen in der Stadt spazierenden Storch, der eine Flügelverletzung erlitten hatte.
Am 24.11.2015 wurde der Polizei in Mindelheim kurz vor 8 Uhr mitgeteilt, daß im Bereich des Oberen Tores ein Storch auf der Straße spaziert. Die eingesetzten Beamten konnten das Tier dann auch auf der Höhe des Friedhofes (Landsberger Straße) auffinden. Der Storch war offensichtlich am Flügel verletzt und konnte nicht mehr fliegen -- deshalb sein "Spaziergang". Den Beamten gelang es, den Storch einzufangen und zur Wache zu bringen. (Auf dem Polizeigebäude ist übrigens auch ein Storchennest, das stets von einem fürsorglichen Storchenpaar bewohnt wird.) Der Landesbund für Vogelschutz holte den Storch später ab und brachte ihn in die Tierklinik nach Gessertshausen. Wie sich der Storch verletzt hat ist bislang unbekannt. Aber: einen großen Dank an die aufmerksamen Passanten, die tätig wurden (und nicht nur gafften) sowie an die Polizei in Mindelheim!
"Man hat halt oft so eine Sehnsucht in sich. Aber dann kehrt man zurück mit gebrochenen Flügeln, und das Leben geht weiter, als wär'man nie dabei gewesen."
aus: Ödön von Horvaths Stück 'Kasimir und Karoline'
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Die Landschaft wird für Störche immer unwirtlicher!
Immer mehr Feuchtgebiete sind verschwunden und verschwinden weiterhin. Ebenso ist die Rückgewinnung von landwirtschaftlichen Flächen für eine Renaturierung nicht allein wegen der steigenden Kosten immer schwieriger. Nicht zuletzt durch die zunehmenden Biogasanlagen lohnt es sich für die Bauern, Mais anzubauen und diesen zu relativ günstigen Bedingungen an die Betreiber von Biogasanlagen zu verkaufen. Durch den Bedarf an einschlägigen Anbauflächen wird natürlich die Anbaufläche zu einem noch "kostbareren" Gut im Sinne von Merkantilisierung und Ökonomisierung. Sprich: Naturschutzverbände und andere Interessenten, die Land kaufen möchten, um es wieder einer ursprünglicheren Nutzung, vor allem dem Leben in und mit der Natur zuzuführen, können die Preise nicht mehr bezahlen.
Daß Intensivierung und das Vorziehen von Monokulturen seitens Landwirtschaft zudem wertvolle Böden auslaugen, die Umwelt durch den Düngemitteleinsatz belasten und ein Gleichgewicht im natürlichen Ablauf und Geschehen nicht nur beeinträchtigen sondern vielerorts verunmöglichen, liegt auf der Hand ...
Wer Vielfalt in der Natur will, wer möchte, daß die Natur weitestgehend die Abläufe, auch die Regelung im Tier- und Pflanzenbestand, selbst regeln kann, der muß mit der Natur wieder anders umgehen als es gegenwärtige Praxis ist!
Das Jahr 2015 wurde übrigens zum "internationalen Jahr des Bodens" erklärt. Natürlich ist der Boden neben Luft, Licht und Wasser eine elementare Grundlage für das Leben auf der Erde, für Land- und Forstwirtschaft sowie für Gartenbau das wichtigste "Gut". Aber auch für die Tiere, also nicht nur für die Menschen!
So kann man in der AZ vom 25. November 2015 in der Online-Ausgabe erfahren, daß sich die Bodenpreise in den letzten 25 Jahren verdoppelt hätten (so der Landwirt Manfred Hitzler), daß "die Landwirte immer mehr Flächen etwa durch Straßenbau, Kiesabbau oder die Installation von Flutpoldern" verlören. Und ökonomische Folge ist natürlich, daß die Grundflächen umso teurer werden, je weniger es davon gibt. Eben das Gesetz von Angebot und Nachfrage, das Gesetz vom knappen Gut und dessen Verwertbarkeit. Die Tatsache der Reduktion von Landwirtschaftsfläche und die damit auch verbundene deutlichen Preissteigerungen bestätigt auch Ottmar Hurler (Landwirtschaftsrat am Amt für Ernährung, Landwirtschaft und Forsten / AELF in Wertingen) Ihm zufolge habe sich der "Reinertrag pro Hektar (...) im Vergleich zu den vergangenen drei Jahren beinahe halbiert." Daß auch Flächenfraß durch Straßenbau eine erhebliche Rolle dabei spielt, deutet Behördenleiter Magnus Mayer an: "Für die B 16 neu wurde bestes Ackerland gebraucht. Entlang dieser Straße liegen unsere Filetstücke."
Ottmar Hurler vom AELF hat Sorge, daß Boden zum Spekulationsobjekt verkommen könne, da für Geldguthaben kaum mehr Zinsen erzielt werden können, Boden dagegen eine relativ krisensichere Geldanlage ist. Tatsache ist es, daß es bis ins Jahr 2011 einen eindeutigen Zusammenhang zwischen Preis und Bodenqualität gab. Über Jahre habe man zum Beispiel im Landkreis Dillingen 3,50 Euro pro Quadratmeter Ackerland, 2,00 Euro für Grünland bezahlen müssen. Nun, im Herbst 2015, liegen die Spitzenwerte zwischen 9,00 und 10,00 Euro pro Quadratmeter Ackerland. Der Durchschnitt im Landkreis bewegt sich zwischen 6,00 und 7,00 Euro. Also eine deutliche Preissteigerung.
Diesen bestätigt auch Johannes Speinle, amtlicher Sachverständiger (er führt Bodenschätzungen durch) für die Landratsämter Dillingen, Günzburg, Neu-Ulm, Memmingen und Mindelheim. Ihm zufolge seien das zunächst immer nur Einzelereignisse gewesen, dann hätte sich das komplette Niveau diesen einzelnen Spitzen angepasst. Dieses Phänomen sei "wohl aus Augsburg herübergeschwappt". Also gehört der zunächst nur relativ sprunghafte und sehr regionale Preisanstieg der Vergangenheit an: also keine Einzelereignisse mehr, der gesamte Bereich ist nun davon betroffen.
Aber wie dieser Entwicklung entgegen wirken? Gibt es überhaupt noch so eine Möglichkeit. Hierzu meint Ottmar Hurler in der AZ: "Er könnte sich für die Zukunft Möglichkeiten vorstellen, dem Flächenverbrauch entgegenzuwirken. Etwa indem für beim Straßenbau verbrauchte Hektar eine Kompensation erfolgt. 'Wenn es gelingt, die Ausgleichsflächen der Landwirtschaft zuzuordnen, könnte man den Flächenverbrauch eindämmen', sagt er. Aktuell dienten Hecken oder Biotope als Ausgleichsflächen. Statt dessen schwebt Hurler eine landwirtschaftliche Nutzung mit speziellen Vorgaben für den Naturschutz vor. Auch die Städte und Gemeinden stünden in der Pflicht. 'Die Innenortsentwicklung wird von den Kommunen sträflich vernachlässigt. Statt dessen entstehen am Ortsrand neue Gewerbegebiete, wofür wieder Flächen benötigt werden', sagt Hurler."
Hurlers Vorschlag, so er denn überhaupt umgesetzt würde, wäre sicherlich eine Hilfe für die Landwirtschaft. Daß sich allerdings dadurch die Preissituation wieder günstiger gestalten würde, dürfte Wunschdenken sein. Auch sehe ich, daß hier dann dem Umweltschutz Ausgleichsflächen genommen werden, denn das mit den "speziellen Vorgaben für den Naturschutz" dürfte bei dem gegenwärtigen (unter den herrschenden Marktbedingungen wohl auch: unvermeidlichen) Wettbewerb in der Landwirtschaft nicht funktionieren! Dem stehen auf der Produzenten- und Marktseite eindeutige Gewinnpräferenzen als ideologische Leitlinie entgegen, denn der Landwirt wird immer seine Gewinnmöglichkeiten optimieren als auch maximieren wollen (ergo: den Naturschutz bestenfalls als zweitrangig betrachten) und auf der Vorgabenseite, also der Politik, fehlen offensichtlich -- deren sicherlich anderslautende und regelmäßigen Sonntagsreden sollte man wirklich nicht mehr ernst nehmen! -- der wirkliche Wille, für den Naturschutz im großen Umfang etwas zu tun. Jedenfalls dem Versuch, Ausgleichsflächen nicht mehr Hecken und Biotopen zugute kommen zu lassen, gilt es mit allen Mitteln entgegen zu wirken. Wir hätten dann nämlich mit Sicheheit nicht mehr, sondern weniger "Natur"!
Eine andere und wohl auch zielführendere Antwort könnte dagegen lauten: Landwirte für Umweltschutz- und Naturgestaltungsmaßnahmen zu entschädigen, sie für aktive Umgestaltung zu gewinnen und sie dafür in ihrem Tun zu subventionieren, was letztlich zumindest einen Teil des Marktdrucks von ihnen nehmen würde und sie für die Gesellschaft eine zumindest zum Teil effektive Diversifikation vornehmen ließe. Die Natur, Flora und Fauna dürften es ihr danken! Und der Mensch, wenn er etwas perspektivischer und zusammenhängender zu denken vermag, ebenfalls ... (Aber ich unterschätze nicht die Widerstände, die wir bei einer derartigen Reorganisation der Landwirtschaft und des Denkens in Sachen Naturschutz durch die Fesseln der EU wohl dann zu überwältigen hätten!)
Und die Störche hätten wieder ein Biotop, nämlich ein ihnen gemäßes, in sehr vielen Gebieten von Deutschland und die momentanen Hardliner-Darwinisten (mit ihrem stets drohenden Zeigefinger gegen Storchenzufütterung und Winter- also auch Nothilfe) wären von ihren Denkfesseln zumindest etwas befreit ...
Heuer im Jahr 2016 scheint das Wetter für eine erfolgreiche Aufzucht der Storchenbrut erneut sehr ungünstig zu sein. Viel Regen, teilweise sehr kalt, viele Küken auch bereits zu groß, als daß die Eltern sie noch richtig hudern könnten, auch die Nahrungsbeschaffung wird durch starke Regenfälle nicht gerade begünstigt ..
Wir haben derartige Situationen immer wieder, so das tragische Jahr 2014, in dem besonders viele Küken starben. Auch 2007 war in Bayern für die Störche ein besonders schlechtes Jahr. Viele Küken starben wegen des kalten und nassen Wetters im Frühjahr. Der LBV (Oda Wieding) sprach von durchschnittlich nur 1,3 Jungtieren bei jedem Storchenpaar, ihrer Meinung nach müßten jedoch jedes Jahr im Schnitt zwei Küken pro Paar zur Bestandserhaltung aufgezogen werden. Auch das Jahr davor (2006) sei die Situation ähnlich schlecht gewesen, statistisch gesehen 1,5 Jungtiere pro Storchenpaar. (Quelle: Bluegatter Digital-Art, September 2007)
Und was lernen wir aus all den statistischen Zahlen, die uns da Jahr für Jahr geliefert werden? Den Störchen geht es längst nicht gut genug, den Populationsbestand hat mehr als aufmerksam zu verfolgen und die Pfeile gegen all jene, die sich jenseits aller Wildtier-Dogmatik mehr um Störche kümmern, als sie nur zu beobachten, als nur abzuwarten (z.B. ob Küken nun sterben oder nicht, jedenfalls keine Rettungsversuche durch Aushorstung etc. ...), sollten besser im Köcher bleiben. Man sollte einfach froh und dankbar sein, daß es Menschen gibt, die in jahrzehntelanger praktischer Erfahrung und mit einem daraus resultierenden Knowhow in Notlagen immer wieder beim Überleben helfen. Schön wäre es, wenn all jene, die ihre Kenntnis überwiegend aus der Theorie (Universität, Behörde, o.ä.) herleiten, da etwas mehr auf Menschen aus der Praxis hören und ihnen mehr ver- und zutrauen würden!
Man staunt ja immer wieder. Zumindest wenn man Zeitungsberichte über das Storchengeschehen liest und wenn man vielen der als Storchen-Experten bezeichneten Personen zuhört. Zuletzt erlebte ich das mit der Thüringer Alllgemeinen Zeitung. Im Görsbach Storchennest hatte das Storchenpaar vier gesunde Küken. Tragischerweise verhedderte sich der Storchenvater mit einer Schnur: die Folge, ein Bein wurde abgeschnürt und dummerweise hatte er sich dabei noch einen Stock eingebunden. Er konnte zwar noch fliegen, jedoch nicht mehr richtig schreiten (immerhin ist er ja ein Schreitvogel und verschafft sich die Nahrung mit dieser "Technik", er konnte sich auch nicht mehr wie gewohnt hinsetzen und beim Hudern sein Weibchen unterstützen. Das Bein wurde immer mehr eingeschnürt. Die Folgen waren deutlich zu sehen. Drei Küken starben dann, eines lebt noch während ich dies hier schreibe (01.Juni 2016), die Fütterungsintervalle sind entsprechend groß -- es füttert natürlich nur mehr die Storchenfrau, da der Storchenvater voll mit sich selbst beschäftigt ist und es in seiner Notlage auch sein muß. Leider wurde die angebotene Hilfen auf auf diesem Gebiet seit Jahrzehnten erfahrenen Leuten von den dortigen (Nordhausen, Görsbach) Zuständigen nicht angenommen. Wer das große Elend sieht, der kann nur noch den Kopf schütteln, wenn die Thüringer Allgemeine Zeitung, Ausgabe Nordhausen, am 30.Juni 2016 einen Artikel mit der Überschrift "Görsbacher Storch mit Handicap geht es gut" veröffentlicht. Kritisch nachgefragt oder gar den gesamten Sachverhalt überprüft können die wohl ja kaum haben, denn sonst wäre so eine Tenor im Artikel unmöglich gewesen -- der wahre Sachverhalt ist zu offensichtlich. Dies als ein Beispiel dafür, daß Zeitungen ihre Informationspflicht, derer sie sich ja so rühmen, wohl nicht immer richtig und sorgsam wahrnehmen (können -- vielleicht wegen anderer Abhängigkeiten?).
Die notwendige Frage bleibt da, wie konnte das denn geschehen. Eine mögliche Antwort: man nahm sich wenig Zeit, gab sich mit den Auskünften des dortigen "Storchenvaters" (die Zeitung hatte ihn selbst mehrfach so tituliert) zufrieden, man sparte sich den Blick auf dessen Webseite und die Kamerabilder, die das Nestgeschehen doch recht deutlich widerspiegeln. Natürlich könnte es auch sein, daß man schlicht nicht "anecken" wollte, oder aber daß Störche doch nicht so in das Interesse gerückt werden, wie man anderslautend häufig propagiert. Die Leser mögen sich weitere Gründe für derartige Positionierung ausdenken, gleichwohl nicht hoffen, daß es sich hier um einen Einzelfall handelt.
Zur Abrundung dieses Gedankengangs mein Leserbrief an jene Zeitung in Thüringen (vor allem auch etwas über die redaktionelle Handhabung desselben):
Zunächst mein originaler Leserbrief, explizit auch als Leserbrief verfasst:
Ihr Artikel “Görsbacher Storch mit Handicap geht es gut” vom 30.05.2016
So, dem Görsbacher Storch mit Handicap geht es also nach Aussage von Herrn Rzehak gut. Ich kenne zwar nicht die Diskussionen in Facebook, aber ich orientiere mich an den doch recht aussagekräftigen Bildern, die eine Kamera der “Storchenresidenz” zusätzlich zu anderen erhältlichen Informationen liefert. Und die zeigen deutlich: dem verletzten Storch geht es nicht gut, sondern schlecht! Man sollte einmal seine Abwesenheitsintervalle sich vor Augen halten, seine eingeschränkte Bewegungsfähigkeit bewerten, die Tatsache, dass er selbst nichts zur Fütterung des Jungen beitragen kann erkennen, auch dass das Weibchen ebenfalls an der Grenze der Belastbarkeit angelangt ist. Erkennt der Experte all das denn nicht?
Was soll da eigentlich die Belehrung, es handele sich beim Storch um ein Wildtier und nicht um einen Hund oder eine Katze? Einem wirklichen Experten fielen sicherlich andere und zielführendere Erklärungen und Fragen ein, vielleicht auch die, ob man anderweitig effektivere Hilfe hätte erhalten können, weshalb man anderswo in ähnlichen Fällen erfolgreich mit Hilfsmaßnahmen sein konnte, etc.
Mich wundert es nicht, dass der “Storchenvater” für kritische Diskussionen kein Verständnis hat. Sind sie ihm zu unangenehm? Fürchtet er um seine Reputation als “Storchenexperte”. Was sichtbar ist, was als Bewertungsmaßstab letzten Endes zählt, ist doch ohnehin das unschwer wahrnehmbare Ergebnis, zu dem bisher auch 3 tote Küken zählen, die man bei rechtzeitiger Aushorstung vielleicht hätte retten können!
Sollte es doch noch gelingen, den verletzten Storch einzufangen und dann – sicherlich sehr spät, aber niemals zu spät! – von dem Stock und dem Bindfaden zu befreien, dann bleibt zu hoffen, dass sein Storchen-Leben von den Verantwortlichen wenigstens noch als “lebenswert” mit entsprechenden Konsequenzen bestimmt bzw. genehmigt wird.
Was ich an Herrn Rzehak allerdings wirklich loben muss, ist sein bescheidenerer Bewertungsmaßstab hinsichtlich “gut gehen”; da wird er selbst wohl in seinem Leben niemals mit etwaigen Schicksalsschlägen hadern müssen und immer ein glücklicher Mensch sein ...
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Nun wieder einmal ein gutes Beispiel dafür, wie bisweilen in der Rubrik "Leserbriefe" teilweise gearbeitet wird ...
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Die Thüringer Allgemeine hat dann am 01. Juni 2016 statt dem obigen folgenden "Leserbrief" unter meinem Namen veröffentlicht (wie es zu diesem Widerspruch gekommen sein könnte, erläutere ich dann weiter unten):
Hilfloses Sterben
Ebenfalls zu dem Thema: Ist in Görsbach für die Störche wirklich alles getan worden?
Sehr geehrte Damen und Herren, mit dieser Frage wende ich mich nun an Sie, weil ich einerseits das Leid der Storchenfamilie mitbekommen habe, andererseits einige Leute kenne, die wirksame Hilfe angeboten hatten, jedoch diese wurde nicht weiter berücksichtigt, teilweise blieben sogar Antworten aus.
Auch musste man sich den Vorwurf behördlicherseits gefallen lassen, man „solle nicht weiter hysterisch werden“.
Die reine „Wildtier“-These, wonach sich in der Natur schon alles von selbst regelt, ist allein schon deshalb nicht mehr zeitgemäß, weil wir Menschen viel zu viel in der Natur zerstört haben, als dass ein derartiger Regelmechanismus noch funktionieren könnte.
Gleichwohl hoffe ich, dass man sich die Zeit nimmt, einmal zu klären, weshalb in Görsbach drei Jungstörche hilflos sterben mussten und ein Altstorch nicht von seinem Beinhindernis befreit werden konnte. Ich bewege mich hier nicht auf der Prinzip-Hoffnungs-Schiene oder gar auf dem Gebiet der Besserwisserei: Nein, ich kenne Leute, die seit Jahrzehnten in derartigen Fällen Störchen und ihren Küken erfolgreich geholfen haben. Meine Gedanken bewegen sich also im Bereich der Wirklichkeit. Diese Hilfe wurde übrigens auch konkret angeboten, allerdings kam von den verantwortlichen Seiten in Görsbach keine entsprechende Resonanz. Joachim Buchenau, Tussenhausen
Woher diese unübersehbare Unterschiedlichkeit? Dies versuche ich einmal kurz zu erläutern. Weil ich der Ansicht war, die Berichterstattung könnte bei der Zeitung verbessert werden, verfasste ich eine achtseitige Analyse, die sich unter anderem auch auf bisherige Artikel in den Thüringer Nachrichten bezog; darüber hinaus machte ich mir natürlich gezielt Gedanken, wie m.E. Recherchen und Berichterstattung über das Leben der Störche verbessert werden könnten. Es ging mir vor allem auch um kontextuale Bezüge und nur zweitrangig um ausgewählte Ereignisse. Kurz: bei jeder Berichterstattung sollte eine umfassende Analyse Grundlage sein, deren Ergebnisse dann auch zu einer kritischen Betrachtung der Denk- und Handlungsweise beteiligter Personen und Institutionen führen müßte. Diese acht Seiten (als Anhang!) schickte ich mit einem Anschreiben per Mail an die Chefredaktion. Der Inhalt des Anschreibens lautet wie folgt (die Hervorhebungen durch Unterstreichungen sind im Original an die Zeitung nicht enthalten, auch sind dort die Abschnitte übersichtlicher und lesbarer gestaltet):
Joachim Buchenau Tanzbergweg 11a 86874 Tussenhausen
Ist in Görsbach für die Störche wirklich alles getan worden, was möglich gewesen wäre? Wird alles getan, was möglich ist? (meine Überlegungen hierzu ausführlich im Anhang!)
Sehr geehrte Damen und Herren,
mit dieser Frage wende ich mich nun an Sie, weil ich einerseits das Leid der Storchenfamilie mitbekommen habe, andererseits einige Leute kenne, die wirksame Hilfe angeboten hatten, jedoch diese wurde nicht weiter berücksichtigt, teilweise blieben sogar Antworten aus. Auch musste man sich den Vorwurf behördlicherseits gefallen lassen, man "solle nicht weiter hysterisch werden". (Dort scheint wohl eine Wegschaumentalität der Bürger Präferenz zu haben, sozusagen "die Ruhe als erste Bürgerpflicht"...)
Mir geht es hier jedoch nicht um Höflichkeit oder Unhöflichkeit, sondern darum, dass man in Not Störchen helfen kann und es auch muss. Die reine "Wildtier"-These, wonach sich in der Natur schon alles von selbst regelt, ist allein schon deshalb nicht mehr zeitgemäß, weil wir Menschen viel zu viel in der Natur zerstört haben, als dass ein derartiger Regelmechanismus noch funktionieren könnte.
Ich habe mir die Mühe gemacht, auf Ihren Veröffentlichungen aufbauend, ein paar kritische Anmerkungen zu machen. Diese betreffen allerdings auch ein wenig Sie in Ihrer Pressearbeit, denn ich bin der Meinung, dass auch da hätte noch mehr getan werden können (als sie zugegebenermaßen ohnehin schon tun).
Ich weiß, acht Seiten sind viel zu lesen und Sie haben jede Menge Arbeit. Aber gleichwohl hoffe ich, dass Sie sich die Zeit nehmen, einmal zu klären, weshalb in Görsbach drei Jungstörche hilflos sterben mussten und ein Altstorch nicht von seinem Beinhindernis befreit werden konnte. Ich bewege mich hier nicht auf der Prinzip-Hoffnungs-Schiene oder gar auf dem Gebiet der Besserwisserei: Nein, ich kenne Leute, die seit Jahrzehnten in derartigen Fällen Störchen und ihren Küken erfolgreich geholfen haben. Meine Gedanken bewegen sich also im Bereich der Wirklichkeit. Diese Hilfe wurde übrigens auch konkret angeboten, allerdings kam von Seiten der in Ihrem Bereich für die Störche in Görsbach Verantwortlichen keine entsprechende Resonanz.
NOCHMALS: MACHEN SIE SICH BITTE DIE ARBEIT, MEINE SEITEN DURCHZULESEN UND NEHMEN SIE JENE ALS GRUNDLAGE FÜR REDAKTIONELLE BEARBEITUNG, DAMIT DEN STÖRCHEN GEHOLFEN WERDEN KANN UND ZUDEM FÜR DIE ZUKUNFT KLARHEIT GESCHAFFEN WIRD.
Für weitere Auskünfte bzw. Nachfragen stehe ich Ihnen gerne zur Verfügung.
Bitte verstehen Sie, dass ich neben der Thüringer Allgemeine auch die nnz-Redaktion adressiert habe, weil auch von dort ein recht interessanter Beitrag (Aldi-Storch) in meine Überlegungen Eingang gefunden hat.
Mit freundlichen Grüßen
Joachim Buchenau M.A.
Zu erklären ist die obige Veröffentlichung "meines Leserbriefes" vielleicht folgendermaßen: Statt mein Anschreiben als Anschreiben zu behandeln, wurde es für die Formulierung eines Leserbriefes verwendet. Inwieweit mein umfangreicher Anhang hierfür Pate gestanden hat, weiß ich nicht. Allerdings muß ich betonen: Das was die Redaktion hier ausgewählt hat und als meinen "Leserbrief" veröffentlichte, entspricht inhaltlich voll meinen Ansichten und zielführenden Überlegungen. Aber mein "Leserbrief" ist es im Verständnis des Begriffes nicht, denn mein Begleitschreiben war vor allem an die Zeitung selbst gerichtet, dies mit der Bitte um zukünftig kritischere und realitätsnahe Berichterstattung über das Storchenleben. Der konkrete Fall Görsbach wäre mit meinem originären Leserbrief (siehe in der Box oben!) sicherlich treffender und zielgerichteter angesprochen gewesen.
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Eine hervorragende und voll zutreffende Darstellung des Schicksals im Görsbacher Storchennest hat mir Frau Esther Noel gemailt, die ich hier mit ihrer Genehmigung veröffentlichen darf:
Zum Storchendrama von Görsbach im Landkreis Nordhausen: Seit fünf Wochen beobachte ich die Störche in Görsbach. Das Storchenmännchen hatte sich Bindegarne oder Schnüre samt einem Stock um sein Bein gewickelt. Dies geschah kurz vor dem Schlüpfen der Küken. Das Tier konnte die Eier nicht mehr bebrüten, weil es fast unmöglich war, sich mit diesem Gestrüpp hinzulegen. Das Weibchen übernahm die Endphase des Bebrütens, während er völlig hilflos schien.
Die Küken schlüpften. Jedoch konnte der Storchenmann mit seiner Behinderung nicht zur Fütterung beitragen. Er blieb und bleibt dem Nest im Durchschnitt sieben Stunden fern. Normalerweise käme ein Brutstorch nach spätestens einer Stunde zum Nest zurück, um seine Küken zu versorgen. Diese extrem lange Abwesenheit zeugt davon, welche enormen Probleme der Altstorch bei der Futtersuche haben muss. Flügelschlagend versuchte er immer wieder, seine Küken zu wärmen. Aber selbst dieses gelang ihm nicht. Folglich starben bis auf eins alle Kleinen der Reihe nach.
Die Storchenmutter versucht seitdem mit aller Kraft, das nun verbliebene Storchenkind zu versorgen. Da sie nur auf Futtersuche ausfliegen kann, wenn ihr Mann wenigstens am Nest wacht, sind im Durchschnitt nur drei Fütterungen pro Tag zu beobachten. Bei Weitem nicht ausreichend für einen heranwachsenden kleinen Storch.
Dem Versuch, das Storchenkind kurz allein zu lassen, folgten sofortige Angriffe, so dass der Kleine vergangene Woche zwei blutende Verletzungen davon trug.
Über Wochen konnte man sehen, wie Schnüre das Bein immer weiter abschnürten. Seit dem 27. Mai ist sein Bein perforiert und baumelt nur noch an einer Sehne. Das Tier schafft es kaum noch, sich hinzulegen. Die Schmerzen müssen unerträglich sein!
Wenn man die Bilder sieht, könnte man nur noch weinen! Es raubt mir die Luft zum Atmen, wenn man all diese Qualen des armen Storches mit ansehen muss.
Und all das wäre zu verhindern gewesen! Schon am ersten Tag, an dem seine Behinderung vor der Webcam sichtbar wurde, haben Storchenexperten aus ganz Deutschland Alarm geschlagen. Es wurde alles versucht – in Form von telefonischen Beratungen und Mails. Es kamen von allen Seiten Tipps und man bot auch direkt vor Ort kompetente Hilfe an. Hätte man das Storchenmännchen eingefangen, und ihn von diesem Stock und den Garnen befreit, so hätte er ganz normal seine Brut aufziehen können und all seine Qualen hätte es nie gegeben. Stattdessen ignorierte man alle Versuche und schaltete auf stur! Beschimpft wurde man sogar, dass man hier nicht in Hysterie verfallen solle! Weder Behörden noch Storchenbeauftragte reagierten. Hier muss man von Tierquälerei sprechen! Esther Noel, Bissendorf
Wer nun meint, im hiesigen Nahbereich verhält es sich stets besser, hat sich wohl etwas zu früh gefreut ...
Wie so oft mischen sich nicht selten Optimismus bzw. begründeter Realismus auf der einen sowie Pessimismus bzw. auf dünner Kenntnislage gebettete Einschätzungen auf der anderen Seite. Besonders offensichtlich wird dieses Phänomen immer dann, wenn jemand meint, irgendetwas könne auf gar keinen Fall funktionieren, die Wirklichkeit aber dann jene "Propheten" eines Besseren belehrt. Zu kompliziert? Also ein Beispiel. Vor vielen Jahren schrieb ein von einigen Seiten (aber auf gar keinen Fall von mir und vielen, die ich kenne und die von Störchen viel verstehen, so empfundener) "Storchenexperte" eine Abhandlung, wonach Isny im Allgäu ein denkbar ungeeigneter Ort für Störche sei. Zumindest schrieb jener am 6. Mai 2004 in seinem Tagebuch, es sollte einen nicht verwundern daß ein Storchenpaar in Isny ("700 Meter über dem Meeresspiegel") -- genau sind es 704 über NHN -- "größere Probleme hat, Junge groß zu ziehen", daß "solche Ansiedlungen (...) sich zumeist nicht als dauerhaft" erwiesen und vom "Bruterfolg für die Gesamtpopulation nichts" brächten. Und weiter heißt es: "Sie (= jene Ansiedlungen, d.V.) werden auch als erste bei sinkendem Bestand wieder verlassen, da sie nicht in das optimale Biotopschema des Vogels Weißstorchs passen." Der Autor (wohl Thomas Ziegler) erklärt damit auch "die unterschiedlichen Storchenzahlen in den alten und in den neuen Bundesländern (ca. 750 Paare zu 3400 Paaren) und meint, diese wären "nicht auf bessere Schutzmaßnahmen in den neuen Bundesländern zurückzuführen, sondern ausschließlich auf einen optimaleren Lebensraum im östlichen Teil unserer Republik." Dann weist der Autor aus seiner Sicht darauf hin, daß im Westen "ein vielfaches an Geld und persönlichem Einsatz in Maßnahmen zur Sicherung und Optimierung des Lebensraumes gesteckt" würde, dies aber für die Störche im "noch paradiesischen Osten (...) nicht in gleichem Maße nötig ist, aber sicher bald nötig werden wird." So brüteten in Mecklenburg-Vorpommern und Brandenburg bei 50 000 qkm Fläche "fast 2500 Storchenpaare", in Bayern mit 70 000qkm "gerade mal 100". Und er nimmt diesen Vergleich dann auch als Fingerzeig gegen Kritiker: "Wer diesen Umstand "auf eine verfehlte Artenschutzpolitik zurückführt, hat nicht die geringste Ahnung von den Bedürfnissen, die eine Vogelart wie der Weißstorch stellt. (...) Sie sehen also, dass zum Verständnis der Zusammenhänge schon etwas mehr Sachverstand über biologische Zusammenhänge nötig ist. Störche siedeln sich dort an, wo der Lebensraum in Ordnung und damit die Nahrungsgrundlage gegeben ist." Auf eine andere Konstellation wird dann von ihm noch verwiesen, nämlich daß es entgegen den natürlichen Voraussetzungen dann doch auch zahlreicher Störche geben könne: "Wird durch Fütterung eine zooähnliche Situation geschaffen, brüten an Orten, an denen sonst nie und nimmer Störche ihr Auskommen finden würden, auch 10 bis 40 Paare (vor allem in Baden-Württemberg und der Schweiz).." In diesem Zusammenhang verweist er auf hohe Futterkosten "für manche derartige Wiedereinbürgerungsversuche auf hohe sechsstellige Mark- bzw. Frankenbeträge (damals hatte wir noch die D-Mark,d.V.). (vgl. Storchentagebuch 2004, Teil 5, Eintrag vom 6. Mai 2004)
Im Zusammenhang mit der letzteren Kritik hört man des öfteren auch schon mal die Forderung, das Geld statt für Fütterungen besser den Verbänden für ihre Arbeit zur Verbesserung der natürlichen Gegebenheiten zu spenden. Mag eine solche Forderung durchaus im Prinzip sinnvoll sein, hat sie gerade angesichts der gegenwärtigen Verhaltens- und Verfahrenslage auch den Ruch des "Ringens um Pfründe"; zudem bezahlt man bei Verbänden eine gewisse Anzahl von Personen, die unmittelbar nicht in der Natur arbeiten und eher eine Art Funktionärsdasein leben. Das sind letztlich auch Beträge, die den Störchen, wenn überhaupt, nur äußerst indirekt zugute kommen. Dann liegt der Autor natürlich unbestreitbar richtig, wenn er den Zusammenhang von Storchenanwesenheit und geeignetem Lebensraum betont. Dies ist allerdings ein ziemlich idealistisch ausgerichteter Standpunkt, der von einigen Gegebenheiten abstrahiert und somit eine Optimierung unterstellt, welche gegenwärtig nicht mehr in notwendigem Umfang (sofern man einer größeren Storchenpopulation überhaupt interessiert ist!) leistbar ist.
Der Storch ist unbestritten ein Kulturfolger, er folgt dem Menschen, damit wohl auch sehr häufig in Gegenden, die leider in ihrer Entwicklung und Ausbeutung sich immer mehr von einem fruchtbaren Habitat entfernen. Will man ein nun reduziertes geeignetes Flächenangebot nicht zum Kampfplatz von mehreren Störchen bzw Storchenpaaren um knappe Ressourcen geraten lassen, muß auch "der Mensch" sich da -- der jeweiligen Entwicklung entsprechend -- etwas einfallen lassen, also flexibler sein bzw. werden. In diesem Zusammenhang scheint mir ein Aspekt besonders wichtig. Dummer- und fälschlicherweise wird im Rahmen von "Energiewende" (die zwar als Abkehr von fossilen Brennstoffen und vom Atomstrom notwendig ist, aber hinter dieser Begrifflichkeit verstecken sich allerdings auch einige schlecht durchdachte Konzepte bis hin zu neuen Möglichkeiten materieller Bereicherung weniger auf Kosten der Allgemeinheit!) mittlerweile der Aufkauf von Land zum Zwecke der Renaturierung (was sicherlich die beste aller Lösungsmöglichkeiten wäre!) immer unerschwinglicher und häufig sogar unmöglich, weil die entsprechenden lanwirtschaftlichen Grundstückspreise in schwindelnde Höhen steigen. Im Kapitalismus zählt eben die Natur nicht so viel wie die Möglichkeit, aus wertvollem Anbaugebiet zum Zwecke von Biogas und Treibstoffen abzocken zu können. Da können die Verbände bei ihrem Versuch, Land zu erwerben, um es wieder in echte und lebenswerte Natur zurückzuführen,meistens leider nicht mithalten.
Es bleibt die ethisch und moralisch zu bewertende Antwort auf die Frage, wie man unter solchen Umständen mit Störchen in Not umgehen soll, umzugehen hat. Eine für mich gewiß abzulehnende "Lösung" wäre natürlich: zusehen, wie die Situation für die Storchenpopulation immer schlechter wird, wie Störche Opfer von Landnahme und technischen Anlagen (Leitungen, Windräder, während der Brut kurzfristig in Nestnähe aufgestellte Bohrtürme, neue Schnellstraßen, neue Gleisführungen, etc.) werden, sich also jeglicher Verantwortung für eine direkte Hilfe hinsichtlich Storchenleben zu entziehen und warten bis das wirkt, was man vielleicht theoretisch irgendwann und irgendwo aufgesogen hat -- die Auslese durch die Natur. Den Störchen wird gewiß nicht geholfen durch Beringungsorgien und mediale Darstellungsweisen bis hin zu Selbstinszenierungen (z.B. nach Beringen unterhalb des Horstes mit Sekt anzustoßen und sich dann medial ablichten zu lassen), den Störchen wird geholfen, um es mit Wolfgang von Goethe zu sagen, durch eine Haltung wie: "Am Anfang war die Tat." Und diese Tat darf allerdings nicht nur "am Anfang stehen", sondern hat sich als Kontinuum zu bewähren -- im Interesse der Störche.
Und was die Entwicklung des Storchenlebens in Isny angeht, wurde die prophetische Fähigkeit des Tagebuchschreibers doch sehr relativiert. Das Biotop dort oben ist für Störche großartig (zumindest noch!), die Witterung ist -- da liegt er richtig -- nicht besonders günstig (und zwar gerade während der kritischen Brutphase), aber dennoch leben dort seit Jahren immer mehr Störche. Mag er nun einwenden, der Zeitpunkt, zu dem die Ansiedlung der Störche sich "als zumeist nicht dauerhaft erweisen" sei eben noch nicht gekommen, der "sinkende Bestand" als Außendruckfaktor sei noch nicht eingetreten, die gegenwärtigen Fakten widerlegen ihn. Und sollte man nun auf die erheblichen Brutausfälle, die es leider auch 2016 wieder gegeben hat, verweisen, dann gehört zur ganzen Wahrheit, daß dies heuer leider eher wieder ein bundesweites Phänomen zu sein scheint.
Es ist richtig, Isny gehört zu den niederschlagsreichsten Gebieten in Deutschland (im Jahr ca. 1 600 mm), die geographische Lage ist dafür ursächlich, da in der westlichen Hauptwetterrichtung der bis auf 1118m ansteigende Adelegg häufig Stauwetterlagen erzeugen hilft, dies mit jeweils kurzen, heftigen Steigungsregen. Die monatlichen Niederschlagsschwankungen sind dort recht hoch. Umgekehrt gehört Isny mit ca. 320 Sonnentagen zu einem der sonnenreichsten Orte Deutschlands. Ich "besuche" dort häufig den Ort, die Gegend und die Störche, so wie auch viele andere "Storchengegenden" in ganz Deutschland. Und wenn ich meine Erfahrungen und Erlebnisse der letzten Jahre so Revue passieren lasse, gehört Isny sehr wohl mit seinem Vogelschutzgebiet Bodenmöser, den acht weiteren Naturschutzgebieten, den vier Landschaftsschutzgebieten und einem Schonwald durchaus zu einem der storchenfreundlichen Habitate, wie sie sich wohl auch der Verfasser des Isny-ist-eher-nichts-für-Störche vorstellt. Und ich denke, all die Störche in Isny wissen für sich besser, weshalb sie zunehmend jenen Ort als zumindest temporäres Zuhause (denn die meisten Störche überwintern nicht dort!) gewählt haben. Da dürften die Störche vielen Theoretikern gegenüber im Vorteil sein, wahrscheinlich nicht zuletzt deshalb, weil sie "Ahnung von den Bedürfnissen, die eine Vogelart wie der Weißstorch stellt", haben und wohl auch weil sie den für sie selbst sehr wohl notwendigen "Sachverstand über biologische Zusammenhänge" haben und ausleben.
Der Verfasser der vorgenannten Kritik macht es sich zumindest in Teilen zu einfach, wenn er all jene, die mit seinen Ansichten nicht konform gehen, "Ahnung", "Verständnis" und "Sachverstand über biologische Zusammenhänge" abspricht; für alle Teile, vor allem für das Storchenleben, wäre es zielführender, derartige Thematik dialogisch anzugehen, Datenmaterial entsprechend nach Plausibilität abzuklopfen und vor allem zunächst: vollständig zu erwähnen bzw. auszuwerten, jegliche Dogmatik zu vermeiden. Ich habe es immer wieder erlebt (ich kenne sowohl praktische, handwerkliche Arbeit als auch Universitätsstudien und Kopfarbeit!), daß man gerade von jenen, die nie eine akademische Ausbildung durchlaufen haben, eben auf Grund ihrer jahrzehntelangen praktischen Erfahrung und Bodenständigkeit mehr über die Natur, den Storch, die Habitate, das Für und Wider im Umgang mit der Kreatur erfahren konnte, daß gerade jene "Personen der Tat" sich mit einer Fähigkeit zu effektivem Handeln erwiesen. Natürlich darf dies nun nicht starr dichotomisch gesehen werden, denn auf "beiden Seiten" gibt es unterschiedliche Kapazitäten. Aber in aller Regel ist die Praxis durch nichts zu ersetzen, womit ich natürlich die Theorie keineswegs gering schätzten möchte. Ich kenne Leute, die haben ein Studium begonnen (ein früherer Freund wollte unbedingt, weil er sich für einen perfekten "Naturburschen" hielt, Landwirtschaft in Freising studieren, schmiß es dann aber nach relativ kurzer Dauer, weil er sich damit überfordert fühlte, landete dann irgendwann nach längerem Wege in der Denkmalspflege -- durchaus ebenfalls ehrenwert und notwendig; er wurde jedoch nie müde, andere über Umweltschutz -- damals schon, vor Jahrzehnten -- zu belehren, über Umgang mit der Natur zu dozieren, dies oft bis hin zur Peinlichkeit und für die Zuhörer zum "Fremdschämen" ...), es dann abgebrochen, dann aber sich trotzdem als Fachmann gerade auf jenem Gebiet hingestellt, auf dem sie letztlich seinerzeit gescheitert sind. Was ich damit sagen will: die einzige Lösung, sich in Richtung Fortschritt zu bewegen, ist die dialogische Auseinandersetzung bei unbedingtem Einbezug all jener, die auf einem Gebiet enorme praktische Erfahrungen haben. Mir hat jedenfalls diese Vorgehensweise stets genutzt, vor allem auch beim: Dazulernen. Eine hilfreiche Leitlinie zum Umgang mit der unbedingt und immer notwendigen konstruktiven Kritik könnte vielleicht das sein, was Karl Maria von Weber einmal so ausgedrückt hat: "Wer sich für unfehlbar hält, ist ein eingebildeter Narr."
Und damit nun zurück zum schwäbischen Allgäu, von einigen Kritikern als eine nicht gerade storchengeeignete Gegend bewertet. Aber wie auch hier, eine differenzierte Betrachtungsweise ist selten von Schaden ...
Hier stütze ich mich, wie meistens, auf eigene Erfahrungen und Erkundungen, hier speziell als eine Art Leitfaden jedoch auch auf eine Veröffentlichung von "Kathi" im "Allgäuer Stübli" von "isnystorch" (dort erstellt am 07.10.2014). Der Inhalt basiert auf dem sehr gut geschriebenen Artikel von Dorothea Schuster in der Augsburger Allgemeinen Zeitung vom 19. August 2014 "Wie das Allgäu den Storch zu sich holen will". Die Zeitung hat bereits die Schwerpunktsetzung und das Wesentliche als leitende Thematik hervorgehoben: Artenschutz!
Da ist von grundsätzlich zielführenden Anregungen die Rede. In vielen Gemeinden Bayerns werde die Ansiedlung von Störchen "mit Begeisterung" gesehen. Das gilt natürlich nicht überall. Ein diesbezüglich negatives Beispiel ist gerade im Artikel mit Ottobeuren indirekt angesprochen worden: Der Storchenexperte der Regierung von Schwaben, Anton Burnhauser, hatte für Ansiedlungsvorhaben auch jenen Ort im Visier: "Ottobeuren bietet drei mögliche Standorte rund um den Marktplatz." Auch wenn es viel mehr wären, eine Initiative von Storchenfreunden in jenem Ort, auf dem "Haus des Gastes" eine Storchennest zu errichten, wurde mehrheitlich abgelehnt. Darüber hat unter anderem auch Christoph Süß in seiner Sendung "quer" sehr plastisch berichtet, und wer u.a. die in der Sendung -- zugegeben gewiß einseitig ausgewählten --, zu hörenden Anti-Storch-Stellungnahmen kennt, der weiß, den Weg nach Ottobeuren zur Suche nach einem Platz für ein Storchennest kann man sich sparen. Dabei wäre das Gebiet für Störche rund um Ottobeuren, was die Landschaft angeht, durchaus günstig. Nur ein paar Kilometer weiter -- um ein gegenläufiges und positives Beispiel zu nennen --, in Erkheim, ist der Storch willkommen, bei Bürgern und auch beim Pfarrer (weshalb ich den hier gesondert erwähne, hat seinen besonderen Grund, denn es gibt auch Vertreter Gottes und der Schöpfung auf Erden, die Störche nicht auf "ihrer" Kirche sehen wollen, weil sie unter anderem das Dach "verscheißen" oder gar Kirchenbesucher durch "Einkotungsgefahr" vertreiben ...). Kurz: das "Haus des Gastes" in Ottobeuren zeigt jedenfalls eine deutliche Grenze, wenn es um Gastfreundschaft für Störche geht.
Also wird auch Burnhauser erfahren haben, daß es immer wieder Menschen gibt, die hinsichtlich Storchenanwesenheit kräftig auf ihrer Begeisterungsbremse zu stehen wissen. Aber es gibt ja andere Orte, wo man dann Störche willkommen heißt und wo sich Besucher nicht mit storchenfeindlicher Thematik auseinanderzusetzen haben! Es soll sogar Orte geben -- ich könnte einige nennen (z.B. Isny und Hammelburg, aber vor allem auch Uehlfeld) --, die von zahlreichen Leuten nur wegen der Störche besucht werden. Leider ist zur Zeit keine Statistik über Storchenfreundlichkeit und Ablehnung des schönen Schreitvogels auffindbar. Aber ich denke, es gibt mehr Ablehnungen, als man ahnt. Diese werden freilich -- feige wie viele Menschen nun mal sind -- nicht immer direkt formuliert. Oder was ist von einem Ökolandwirt zu halten, der fürchtet, der Storch könne es nicht ertragen, von den Leuten auf der Straße "angegafft" zu werden, damit "tue man ihm nichts Gutes"? Steht dahinter nicht statt der vorgegebenen (ohnehin sachlich absurden) "Fürsorge" eine ganz andere Sorge, nämlich die, daß durch Umweltauflagen seine Pfründe und sein Betätigungsfeld (dies auch im wahrsten Sinn des Wortes!) eingeschränkt werden könnten? Jedenfalls ich nehme ihm die von ihm vorgegebene Besorgnis nicht ab. Wieder ein Beispiel mehr, wo Ideologiekritik ihr Anwendungsfeld findet! Zu schwierig zu verstehen? Also dann eben einfach: Es gilt, die wahren Motive des Redens und Handelns zu ergründen, die eigentlichen Beweggründe und Zielsetzungen; ansonsten leistet eine wie auch immer mögliche Bewertung zu wenig oder gar nichts. Eigentlich sollte so ein Ökolandwirt den grundlegenden Satz kennen, wonach die Natur dort, wo Störche sich niederlassen, (noch) in einem gesunden Zustand ist. Aber: zwischen dem, was selbst ein Ökolandwirt als "gesund" (wohl =nutzbringend, verwertbar) ansieht und der Interessenlage eines Storches scheint es dann doch erhebliche Unterschiede zu geben ... (Wieder ein Gegenstand für: Ideologiekritik!)
Daß es dem Storch im Unterallgäu doch (zumindest: noch!) recht gut gefällt, wissen wir schon länger. Ein paar ausgewählte Beispiele darf ich hier nennen. Die Gegend um das Pfaffenhausener Moos, der Kirchheimer Storchenkran, zwei Horste in Mindelheim, ein langjähriges Stammpaar in Salgen, dieses Jahr nun auch noch ein Storchenpaar auf der von engagierten Bürgern gefertigten und montierten Nisthilfe auf dem Kirchendach in Tussenhausen (ein Lob den 3 Herren und dem Pfarrer, der mit Störchen offensichtlich keine Bedenken hat), ein seit Jahren immer wieder brütendes Paar auf dem Dach des Schlosses in Türkheim, ein Horst durch Privatinitiative in Wiedergeltingen, und, und, und ... Ja, wer das Unterallgäu und das Allgäu mit Bezug auf Storchenanwesenheit bewerten und gewichten will, findet einige positive Beispiele. Ottobeuren scheint da Gott sei Dank nicht der Maßstab zu sein ...
Wenn es im Artikel heißt, "die Störche sind im Freistaat gerne gesehen", dann ist der erste Impuls, zumal bei einem Storchenfreund: man freut sich. Doch da mischt sich dann sogleich Wasser in den Wein, denn es fällt ein und auch auf, daß nicht immer leidenden, verunfallten, gefährdeten Störchen die Hilfe zuteil wird, die grundsätzlich zwar möglich wäre, aber von einigen Seiten dann doch mit dem Verweis auf das Wildtierdasein des Storches derartige Hilfen unterbunden oder bereits im Ansatz verhindert werden. Schön also, wenn der Artikel diesbezüglich auch zu einer Bewußtseinserweiterung beitragen sollte! Natürlich liegt Anton Burnhauser richtig, wenn er fordert, die Gemeinden sollten in Nahrungsgebiete für Schreitvögel investieren! Das müßte unbedingt geschehen! Vor allem im näheren Umfeld des Horstes. Auch sollten Gefahrenmomente (sich auftürmende Hindernisse, Leitungen, Straßenverkehr, Baumaßnahmen, Gifteinsatz in der Natur, Entsorgung von Plastik und Bindegarn, Angelschnüren, u.s.w.) beseitigt oder entsprechend gemindert werden. Das würde dem Storch helfen. Aber geht die Entwicklung überhaupt in bemerkenswerten Ansätzen in diese Richtung? Doch eher nicht! Monokulturen, Versiegelung der Landschaft, überall Industriegebiete, Abkehr und Verhinderung von Biodiversifikation, Optimierung jeglichen Verwertungsinteresses -- so lautet doch die Monstranz, die man in diesem Land gegenwärtig und schon seit Jahrzehnten stolz vor sich her trägt.
Und die Warner versucht man mit Sonntagsreden, mit Begriffen wie Nachhaltigkeit (wäre ja schön, wenn es die in Sachen Ressourcenschonung und Umwelt gäbe!), Umweltschutz (dagegen spricht unsere gesamte Wirtschafts- und Konsumweise!) und einer ganzen Reihe von Euphemismen ("Entsorgungspark", "Industriepark", "Interkommunaler Gewerbepark" etc.) zu besänftigen, manchmal leider auch erfolgreich einzulullen. Die überwiegende Zahl der Bürger -- so scheint es mir jedenfalls -- hat noch nicht begriffen, welchen desaströsen Weg wir da mittlerweile gehen. Kommerz und naturferne sowie naturwidrige Formen der Zerstreuung und Freizeitaktivitäten haben nach wie vor Hochkonjunktur. Dieses (so sicherlich vielen nicht bewußte) Nach-mir-die-Sintflut-Denken zerstört elementare Lebensgrundlagen und irgendwann wird der Mensch dafür einen hohen Preis bezahlen müssen. Der Satz hat grundsätzlich seine Richtigkeit: Die Natur braucht den Menschen nicht, aber der Mensch die Natur ...
Laut Burnhauser nahm die Zahl der Brutpaare in Schwaben zuletzt stetig zu, 83 waren es im Jahr 2014. Dem Biologen wird eine "jahrzehntelange Erfahrung mit der Ansiedelung von Störchen" im Artikel zugeschrieben. Wenn früher Anfragen aus dem Allgäu kamen, meinte er ablehnend zur gewünschten Storchenansiedelung: "Wir tun der Art hier keinen Gefallen. Das Klima ist zu rau(h), die Nestjungen fallen leicht nasskaltem Wetter zum Opfer." Mittlerweile hat sich seine Meinung diesbezüglich allerdings geändert, denn wegen der zunehmenden Erwärmung zöge "es die Störche immer weiter Richtung Alpen". Als weitere Gründe führt er an, daß der Wiesenanteil im Allgäu deutlich höher sei (das war er übrigens schon immer!) und daß der Lebensraum in Flußauen "wie dem Mindel- und Zusamtal (...) mit 32 Paaren inzwischen ziemlich ausgereizt" sei.
Er verweist auf vier Wiederbesiedelungen nach langer Pause im Jahr 2014: IZum Beispiel in Fristingen (Kreis Dillingen) ein Paar auf dem Dach des Gasthauses "Zum Storchennest" (wo früher schon gesiedelt worden war), in Grimolzhausen (Landkreis Aichach-Friedberg), in Staudheim (Landkreis Donau-Ries) u.a. Burnhauser: "Wenn man den Storch anlocken will, gelingt dies am besten mit einem attraktiven Nestaufbau." (Hier ist der Wandel im Denken sehr interessant, denn zahlreiche Experten oder "Experten" lehnten zumindest früher gänzlich eine Unterstützung des Storches etwa mit der Begründung, er sei ein Wildtier und wußte schon immer selbst, wie er sein Nest zu bauen hat, ab. In dieser Hinsicht besonders "hervorgetan" hat sich da ein sogenannter Experte aus Franken. Aber hier gilt hinsichtlich Revision des Denkens, wie auch auf anderen Gebieten, die alte englische Spruchweisheit: "Better late than never!". Also freuen wir Storchenfreunde einfach auch ein wenig darüber, daß neben all dem vielen Stillstand und der häufigen Rüchwärtsgewandheit auch schon mal sich jenes "Gottes Mühlen mahlen zwar langsam, aber sie mahlen" zu beobachten ist ...) Die Anlockung mit angebotenen Nestaufbau habe in Grimolzhausen (s.o.) und Staudheim (s.o.) geklappt, Stadel in der Reischenau und Wilmatshofen bei Fischach (Landkreis Augsburg) seien "sogar echte Neuansiedelungen".
Zufrieden zeigt sich der Storchenxperte des Regierungsbezirks Schwaben zwar mit der Zahl der Brutpaare, nicht jedoch mit dem Nachwuchs. Es wurden nur 152 Jungtiere flügge, ein Schnitt vonh 1,8 pro Familie. Dies sei besonders kritisch, weil es in einem Jahr ohne "ausgeprägte nasskalte Wetterlagen", also auch eines ohne viele Nestlingsverluste war und es demzufolge "weit über zwei (Jungstörche)" hätten sein müssen. Man kann tunlichst über die Zahlen streiten, die sich mit Vorgaben beschäftigen. Diese Angabe "weit über zwei" ist leider nicht konkret quantifiziert. Es gibt allerdings auch Experten (z.B. Kai-Uwe Thomsen), die nur von zwei notwendigen Nachkömmlingen zur Sicherung der Population ausgehen -- und mit dieser Festlegung ist er gewiß nicht allein auf weiter Flur ... ---, insofern scheint mir Burnhausers Aussage eher in eine realistische Richtung gesetzt. Er hätte da jedoch ruhig etwas konkreter werden sollen. Denn wer die Todesrate unter Jungstörchen kennt, wer weiß, wie groß die Ausfälle sind, wem bekannt ist, wie wenig Störche dann auch tatsächlich die Geschlechtsreife erreichen (siehe dazu meine obigen Anmerkungen bzw. Ausführungen an anderer Stelle), der kann nicht umhin festzustellen, daß alle Größenordnungen von zwei Jungen (oder gar noch -- statistisch verdeutlicht -- darunter liegend, z.B. 1,8) eine völlig falsche Annahme sind, ist man an einer Bestandserhaltung überhaupt wirklich interessiert. Hinzu kommt, daß es durchaus diskussionswürdig ist, wie man sich z.B. auf eine Zahl wie 32 Paare, mit der ein Gebiet "ziemlich ausgereizt" sei, festzulegen vermag. Derartige quantitative Festlegungen erforderten doch eine Darlegung aller zu dieser Beurteilung herangezogenen Einflußvariablen, also eine eingehendere und somit überprüfbare Begründung.
Vielleicht sollte man sich im Zusammenhang mit der Überlebenschance von Jungstörchen eine aktuelle Aussage von Dr. Michael Kaatz (Storchenhof Loburg), ein anerkannter Storchenexperte, der sich vor allem auch mit der Datenauswertung intensiv beschäftigt, bei eigenen Betrachtungsweisen und daraus resultierenden "Hochrechnungen" stets vergegenwärtigen: "(...) wir merken eben auch gerade bei Jungstörchen, ist es eben das Häufigste, daß ein Storch ein Jahr alt wird ist wirklich schon so ein kleines Wunder, gerade den Jungstörchen passiert so viel, die müssen die mangelnde Erfahrung häufig mit dem Leben bezahlen. Es ist leider so." (Quelle: mdr "Vor Ort", 21.05.2016 live aus Loburg)
Wenn also Anton Burnhauser davon spricht, es wäre Vergangenheit, daß viele Jungstörche den Stromtod sterben, dann sollte dieses "viele" durchaus zunächst in Zahlen ausgedrückt werden, schon allein deshalb, damit eine relative Änderung in eine jeweilige Entwicklungsrichtung aussagefähig wird. "In den 80er Jahren wren es vor dem Wegzug ins Winterquartier bis zu 15 Prozent", so Burnhauser. Allein mit dieser Aussage ist überhaupt nichts anzufangen, will man sachbezogen die Entwicklung beurteilen. Ein Problem ist übrigens dabei auch die Kriechstromproblematik; sie führt häufig dazu, daß Störche "gelähmt" werden, ihre Koordinationsfähigkeit verlieren und dann an Folgen des so verursachten Sturzes sterben. Weil diese Problematik jahrelang geleugnet wurde, in Teilen immer noch geleugnet wird, werden jene Todesfälle nicht als durch Strom verursacht dargestellt.
Wenn in dem Artikel obendrein festgestellt wird, daß inzwischen "in enger Kooperation mit den LEW und kleineren Stormversorgern nahezu alle gefährlichen Strommasten in den Weißstorch-Lebensräumen abgesichert" seien, dann wird so mancher Spaziergang (auch noch im Jahr 2016!) aufmerksame Beobachter davon überzeugen können, daß es hier noch jede Menge zu tun gäbe. Also diese optimistische Darstellung findet überhaupt nicht ihre Konkretisierung in der Praxis!
Übrigens dürfte auch bekannt sein, daß zur Umsetzung der Maßnahmen zur Sicherung von Stromtod bei Großvögeln der Gesetzgeber eine Frist gesetzt hatte, diese jedoch leider bei Versäumnissen nicht mit Sanktionen bewehrte. Diese Frist wurde von den Stromversorgen jedoch in extrem viel Fällen überhaupt nicht eingehalten und dann konnte man lesen, daß beispielsweise der LBV mit den Stromversorgern über Verlängerung der Fristen verhandelte ... Wie bitte? Da gibt es eine gesetzliche Regelung mit exakter Festlegung, also vor allem auch kein nur "grundsätzlich" o.ä. gesetztes Enddatum und dann soll es da noch "Verhandlungen" geben, noch dazu durch einen Verband?! Und wer sich in den Gebieten, wo Störche leben, umsieht, wird feststellen, daß es immer noch die völlig untauglichen Sitzstangen als angeblichen Schutz vor Stromtod gibt. Deren Unsinn und weitestgehende Wirkungslosigkeit ist längst nachgewiesen, ebenso der so mancher Vergrämungsmaßnahmen an Strommasten. Hier werden Gefahrenmomente eher vergrößert denn reduziert. Vorbildliche Leistung hinsichtlich Sicherungsmaßnahmen zur Verhinderung von Stromtod lassen sich unter anderem in Sachsen-Anhalt feststellen, aber auch im Storchendorf Bergenhusen. Vielleicht sollte man einmal über den heimischen Horizont hinausblicken, ehe man Jubelarien anstimmt.
Es wird an dieser Stelle nicht bestritten, daß relativ gesehen vielleicht weniger Störche nun den Stromtod sterben, aber es sterben ihn immer noch zu viele. Da möchte ich an den bekannten Satz "Jeder toter Storch ist ein toter Storch zuviel" erinnern, aber vor allem daran, daß längst noch nicht alle notwendigen Maßnahmen gegen Stromtod durchgeführt wurden, vor allem auch nicht hinreichend wirksame!
Es ist Burnhauser natürlich zuzustimmen, daß (auch) "immer noch Stromleitungen, die Täler überspannen" eine erhebliche Gefahr darstellen, zumal "wenn die Altstörche mit ihren Jungen von der Futtersuche zurück aufs Nest fliegen", weil die Leitungen da schlecht zu sehen sind. Hier schlägt Burnhauser in die Leitungen eingehängte Kunststofflappen vor, damit Leitungen als Hindernis besser sichtbar werden. Ein sehr guter Vorschlag! Aber warum ist das nicht längst schon in die Praxis umgesetzt? Wo bleibt da der Druck der Verbände, wo Setzungen seitens Politik? Das Argument, "Das sieht nicht schön aus, funktioniert aber." (Burnhauser) sollte nur im zweiten Teil des Satzes Beachtung finden. Ästhetik darf da auf gar keinen Falle eine Rolle spielen, zumal ihr Aspekt ohnehin in diesem Fall eine Absurdität sein dürfte, denn Stromleitungen sehen per se "nicht schön" aus: sie können kaum noch "häßlicher" gestaltet werden. Aber man könnte zahlreiche Großvögel von einer riesigen Gefahr befreien ...
Summa summarum: Vor dem Hintergrund der gesetzlichen Vorgaben, aufgrund der Tatsache, daß längst nicht alle geforderten Schutz-Maßnahmen getroffen worden sind, aber auch auf der Basis, daß Energieunternehmen immer wieder sich als Avantgarde in Sachen Umweltschutz darzustellen versuchen, gibt es vielerorts gegenwärtig noch keinen Grund -- wie Burnhauser feststellen zu müssen glaubte -- den Unternehmen diesbezüglich etwas "hoch" anzurechnen! Viel eher gilt es zu fragen, warum nicht rechtzeitig und nicht optimal wirkungsvoll gehandelt wurde! Lobenswerte Ausnahmen davon möchte ich bei dieser Kritik ausdrücklich nicht angesprochen haben und aussparen ...
Ob es im Ergebnis dann viel oder wenig (für die Reproduktionsrate dann erfolgreich wirkenden) Nachwuchs bei Störchen gibt, ist von einem Bündel an Einflüssen und Gegebenheiten bestimmt. Da spielt natürlich vor allem auch das jeweilige Nahrungsangebot die elementare Rolle. Hier ist Burnhauser (und anderen, die da einschlägig mahnen und warnen) voll zuzustimmen. Es ist richtig: Wer Störche haben und sehen möchte, der muß in einen für sie geeigneten Lebensraum stark investieren! Störche brauchen u.a. Regenwürmer, Feldmäuse, Heuschrecken. Wo und unter welchen Bedingungen finden sie denn diese heutzutage noch in der erforderlichen Menge?! Feuchtwiesen wären geeignet, dies dann am besten noch bei entsprechendem Mahd-Verhalten der Bauern. Ist es zu trocken, finden die Störche dort zu wenig Nahrung. Es gibt immer weniger Wiesengräben, Feuchtmulden und Tümpel -- und dies führt dann zu akuter Futternot. Erfreulich ist gewiß sein Vorschlag nach runden Tischen: "Die Leute sollten sich im Winter Gedanken machen, was sie rund um den Horst im Nahrungsgebiet verbessern können." Und wenn er -- mahnend oder süffisant? -- hinzufügt, daß eine Webcam mit Blick in die Kirchenstube zwar nett sei, aber das Futterproblem nicht löse, kann ich ihm nur zustimmen.
Der Storch darf nicht zum Unterhaltungs- und Beobachtungsobjekt degeneriert werden, sondern er muß in allererster Linie das erfahren können, was sein Dasein erst ermöglicht und auch für die Zukunft sichert: das Belassen und Pflegen eines ihm genehmen Habitats!
Hierzu gehören auch Rücksichtnahme bei Baumaßnahmen und Unterlassen von Eingriffen in ihm angestammte Natur! Wie schön und zielführend es doch wäre, könnten die Verantwortlichen (und das sind wir alle!!!) folgendem Vorschlag Anton Burnhausers entsprechend planen und handeln, wenn er meint, daß das Rezept für ein Aktionsprogramm eigentlich einfach sei: eine Handvoll größerer Nahrungsbiotope, günstig verteilt um den Horst, mit flachen Ufern nd genügend Feuchtigkeit auch bei Trockenheit: " Das Allerwichtigste ist, dass sie schon ab Ende Mai schrittweise freigemäht werden und keine Gehölze aufkommen." Denn der Schreitvogel müsse "Zugang haben, um seinen hohen Bedarf an Fröschen, Molchen, Egeln und Kleinfischen auch dann decken zu können, wenn auf den Wiesen nichts zu finden ist. Dann spricht er aus meiner Sicht noch eine Selbstverständlichkeit an, die das Sicherheits- und Distanzbedürfnis von Störchen unmittelbar angeht, nämlich daß Hundebesitzer und Freizeitsportler unbedingt einen Bogen um jene Nahrungsbiotope machen sollten. Diese Aufzählung möchte ich erweitern: alle sollten jene schönen Tiere nur aus gebotener Distanz und mit Respekt vor ihrem eigenständigen Bereich (be-)achten. Und hinzufügen möchte eine neue Freizeitidiotie, die als Bedrohung für die Unversehrtheit von Freiräumen von Wildtieren (aber auch von anderen Tieren und Menschen!) bereits absehbar ist: die Drohnen-Ekstase ...
Und blicken wir nun nochmals zurück in das (früher, allerdings da auch nur von einigen) wegen seiner angeblichen "Storchenuntauglichkeit" kritisierte Isny: da findet man auch so manches, was Burnhauser als Vorschlag, als Wunschzettel, formuliert hat, bereits als vorgegeben an. Dort müßten runde Tische allenfalls darüber sich den Kopf zerbrechen, wie man das alles erhalten (denn es gibt natürlich auch dort: Gegenwind ...) oder besser: noch erweitern kann. Die Störche haben dort jedenfalls schon mit ihren Füßen und Flügeln abgestimmt ...
Eines der Storchenpaare in Isny / Allgäu im Jahr 2016
ARTENSCHUTZ erfolgreich ?
Die Hälfte aller Arten in Deutschland ist ausgestorben, gefährdet oder extrem selten. Weltweit sterben pro Tag bis zu 120 Arten aus. Der Verlust an Biodiversität hat eine Grenze erreicht, die wir nicht weiter überschreiten sollten. Menschliches Leben hängt auch von der Vielfalt in der Natur ab. Wir sägen am Ast, auf dem wir sitzen.
Welche dramatische Folgen für uns der Verlust der Biodiversität hat, zeigt beispielhaft das fortschreitende Insektensterben: Vier Fünftel der bei uns heimischen Nutz- und Wildpflanzen sind auf die Arbeit von Honig- und Wildbienen angewiesen, von Obstbäumen über Erdbeeren bis hin zu Sonnenblumen. Vor allem für den Menschen gesunde Nahrungsmittel wie Obst, Gemüse oder pflanzliche Öle hängen von der Bestäubung durch Insekten ab.
Um diesen Trend umzukehren und die Ziele der Nationalen Biodiversitätsstrategie zu erreichen, muss die industrielle Landwirtschaft - ein Hauptverursacher der Naturzerstörung – in vernünftige Bahnen gelenkt werden. Die Bundesregierung muss endlich handeln und die Landwirtschaft ökologisch verträglich gestalten.
Und was erfahren wir übriegens aus dem Bundesnaturschutzgesetz hinsichtlich Biotopverbund und Biotopvernetzung? (Hervorhebungen im Fettdruck durch mich!)
§ 21 Bundesnaturschutzgesetz
Biotopverbund, Biotopvernetzung
(1) Der Biotopverbund dient der dauerhaften Sicherung der Populationen wild lebender Tiere und Pflanzen einschließlich ihrer Lebensstätten, Biotope und Lebensgemeinschaften sowie der Bewahrung, Wiederherstellung und Entwicklung funktionsfähiger ökologischer Wechselbeziehungen. Er soll auch zur Verbesserung des Zusammenhangs des Netzes "Natura 2000" beitragen.
(2) Der Biotopverbund soll länderübergreifend erfolgen. Die Länder stimmen sich hierzu untereinander ab.
(3) Der Biotopverbund besteht aus Kernflächen, Verbindungsflächen und Verbindungselementen. Bestandteile des Biotopverbunds sind
1. Nationalparke und Nationale Naturmonumente,
2. Naturschutzgebiete, Natura 2000-Gebiete und Biosphärenreservate oder Teile dieser Gebiete,
3. gesetzlich geschützte Biotope im Sinne des § 30,
4. weitere Flächen und Elemente, einschließlich solcher des Nationalen Naturerbes, des Grünen Bandes sowie Teilen von Landschaftsschutzgebieten und Naturparken,
wenn sie zur Erreichung des in Absatz 1 genannten Zieles geeignet sind.
(4) Die erforderlichen Kernflächen, Verbindungsflächen und Verbindungselemente sind durch Erklärung zu geschützten Teilen von Natur und Landschaft im Sinne des § 20 Absatz 2, durch planungsrechtliche Festlegungen, durch langfristige vertragliche Vereinbarungen oder andere geeignete Maßnahmen rechtlich zu sichern, um den Biotopverbund dauerhaft zu gewährleisten.
(5) Unbeschadet des § 30 sind die oberirdischen Gewässer einschließlich ihrer Randstreifen, Uferzonen und Auen als Lebensstätten und Biotope für natürlich vorkommende Tier- und Pflanzenarten zu erhalten. Sie sind so weiterzuentwickeln, dass sie ihre großräumige Vernetzungsfunktion auf Dauer erfüllen können.
(6) Auf regionaler Ebene sind insbesondere in von der Landwirtschaft geprägten Landschaften zur Vernetzung von Biotopen erforderliche lineare und punktförmige Elemente, insbesondere Hecken und Feldraine sowie Trittsteinbiotope, zu erhalten und dort, wo sie nicht in ausreichendem Maße vorhanden sind, zu schaffen (Biotopvernetzung).
Jetzt muß nur noch entsprechend gehandelt und umgesetzt werden ... Vor allem muß NACHHALTIGKEIT endlich einmal ehrlich, also: wirksam, verfolgt und gelebt werden. Fangen wir mit Einschränkungen bei Überflüssigkeiten und Verbot von noch Schädlicherem endlich einmal an!
Alles aufzuzählen, was man hierunter subsumieren könnte und müßte, ist hier unmöglich, wenn überhaupt irgendwie leistbar. Aber man kann ja mal mit einigen Dingen anfangen, vor allem mit jenem Verpackungsmüll, der immer noch durch die Mechanismen unserer Konsumgesellschaft, erzeugt, geduldet und sogar noch zunehmend gefördert wird. Auch ist es nicht zielführend, mit relativ geringen Pfandauflagen (z.B. 25 Cent für eine PET-Flasche ... / ich weiß, bei einer Erhöhung dieser Abgabe müßte man Vorkehrungen dagegen treffen, daß nicht aus "befreundeten" Ländern oder von anderswo, leere Flaschen einfach zur Bereicherung erzeugt und eingeführt würden) gegen den Trend der Umweltverunreinigung und -belastung zu kämpfen! Schon zeichnet sich ein neuer "Mist" in der rücksichtslos auf Gewinn orientierten Herstellungs- und Vermarktungsideologie ab: die Drohnen. Jene sollte man ausschließlich Hilfsorganisationen, der Polizei, der Feuerwehr und andere Notfalldienste zur Verfügung stellen; es darf nicht sein, daß hier weitere Belästigungsmöglichkeiten für "Hinz und Kunz" geschaffen werden, auch der Einsatz der Drohnen durch Versandorganisationen sollte unterbunden werden. Es ist auch unschwer, sich vorzustellen wie Privatleute mit ihrem Drohneneinsatz zur Belästigung und Gefahr für Vögel und deren Nestleben sowie für andere Tiere werden könn(t)en. In diesem Zusammenhang habe ich einmal meine Gedanken in Form eines Leserbriefes an die Augsburger Allgemeine geschrieben, nachdem sie einen Artikel über die Möglichkeiten des Drohneneinsatzes veröffentlicht hatten. Es wurden jedoch nur Leserbriefe veröffentlicht, die das Drohengeschehen positiv werteten. Deshalb hier mein Leserbrief (als Diskussionsgrundlage):
zu: "Verflixte Drohnen", AZ vom 18.Mai 2016, S.1
Sehr geehrte Damen und Herren,
Ihr Artikel liefert indirekt eigentlich schon die zielführenden Antworten: Möglichst keine Drohnen, statt dessen Minimieren von Lärm und anderen Belästigungen! Und das sollte nicht nur in Bezug auf Drohnen gelten! Sich freuen sollte auch ohne Radau und kindhaft erzeugte Turbulenzen möglich sein! Mensch und Natur, vor allem auch die Fauna, insbesondere Vögel, brauchen mehr Ruhe und weniger Hektik um sich herum.
Es kann nicht angehen, dass die Befriedigung eigener (vor allem auch noch: mit Lärm verbundener) egozentrischer Interessen auf Kosten der Allgemeinheit betrieben wird. Dobrinth sieht das freilich offensichtlich anders, denn er möchte ja nur bestimmte Drohnen-Nutzer, nämlich private, in ihrem Wirkungskreis einschränken. Aber sein mitgelieferter Katalog, wo man dieses belästigende "Hobby" dann nicht betreiben darf, hat -- ohne dass der Minister sich dessen wohl bewusst war -- auch eine kluge Antwort: "Keine Drohnen in Einsatzgebieten der Polizei". Da jedoch Einsatzgebiete der Polizei überall sein können -- je nach Notwendigkeit -- muss die Antwort lauten: Nirgendwo dieses Drohnenzeugs! Jene Geräte sollte man allenfalls für Polizeiarbeit und Notdienste zulassen, merkantile Interessen und privater Lustgewinn sollten da keinesfalls unterstützt werden. All das Gerede von Nachhaltigkeit, Umweltschutz, Rücksichtnahme gerät zur Makulatur, wenn jeder Mist, der (zudem oft noch billig) produzierbar ist, auch in Betrieb genommen werden oder private Verwendung finden kann. Übrigens: Wer will und soll die Einhaltung all jener zusätzlichen Vorschriften denn wirkungsvoll überwachen?
Was wir zu einer gesunden Umwelt brauchen, sind nicht mehr, sondern weniger Lärm, nicht zusätzliche Gefahrenmomente, sondern weniger. Und wenn Herr Hans Schwägerl (DMFV) stolz davon spricht, immerhin hätten "pfiffige Modellflieger" jene Drohnen entwickelt, sei ihm gesagt, dass wohl die Auswüchse jener Hobbys für die Mehrheit der Bevölkerung wohl alles andere als "pfiffig" sein dürften ...
Mit freundlichen Grüßen
Joachim Buchenau M.A.
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Storchenpaar in Bergenhusen (März 2016)
Eine kleine "bilanzierende" Betrachtung und weitere Überlegungen (etwaige zahlenbezogene Inhalt stets auch unter dem Aspekt der Vorläufigkeit zu beachten!)
Auf ihrem erheblich längeren Zug-Weg sind ostdeutsche Störche deutlich mehr Gefahren ausgesetzt. Wegen der besseren Überwinterungsbedingungen steigt der Bestand der Störche in Westdeutschland seit Jahren, im Osten ist er laut Thomsen (NABU, Bergenhusen) rückläufig. Er verweist zugleich auf bestehende und zunehmende Probleme: "Die meisten Sorgen bereitet uns Mecklenburg-Vorpommern", so der Experte. Durch die Intensivierung der Landwirtschaft werde dort der Lebensraum immer kleiner
Damit der Bestand stabil bleibe, seien zwei Jungstörche pro Brutpaar nötig, berichtet Kai-Uwe Thomsen. In den meisten Teilen Deutschlands erreichen die Störche das in diesem Jahr nach Angaben des Experten aber nicht. Möglich sei die Quote höchstens in für Störche günstigen Gebieten in Ostdeutschland wie etwa der Elbtalaue und im Spreewald. Nicht nur ich bestreite, daß eine Quote von 2 Jungen bei HPm (Horstpaar mit ausgeflogenen Jungen) für eine Erhaltung der Population hinreichend ist, denn wer weiß, wie hoch der prozentuale Verlust gerade bei Jungstörchen im ersten Lebensjahr ist, wer zudem weiß wie wenige jener Jungstörche dann überhaupt das geschlechsreife Alter erreichen, wer also die extrem hohe "Ausfallrate" (welch schrecklicher Begriff für das Schicksal all jener Störche!) kennt, kann sich leicht ausrechnen, was ein Horstpaar erst einmal leisten muß, um die eigene Reproduktion zu gewährleisten ...
Den Störchen in Deutschland droht diesen Sommer Nachwuchsmangel, viele haben erst gar nicht angefangen zu brüten. Schlechtes Wetter auf den Zugrouten und die trockenen Frühlingmonate machen den Tieren zu schaffen.
"Viele sind erst im Mai zurückgekommen und haben dann gar nicht erst mit der Brut angefangen", sagt Thomsen. Auch die Trockenheit habe eine Rolle gespielt und das Nahrungsangebot verkleinert. In den westlichen Bundesländern seien die Störche zwar rechtzeitig eingetroffen, aber auch dort sei die Anzahl der Jungen wegen der Trockenheit niedriger als in anderen Jahren. Man kann also durch Beobachten des Rückkehrverhaltens und der Witterung bereits (sehr vorsichtige) Aussagen über den wahrscheinlichen Bruterfolges eines Jahres treffen. Allerdings ist dann immer noch mit Störfaktoren (in der statistischen Projektion der Populationsentwicklung müßten jene bei Anwendung einer Regressionsanalyse unter den Störvariablen erfasst werden, welche sich wiederum aus aggregierten Werten der Vergangenheit errechnen -- man sieht: sehr viel Unwägbarkeiten verhindern letztlich zuverlässige Vorhersagen.) zu rechnen. Binsenweisheit: Klarere Aussagen können (leider dann auch nur bedingt!) erst im Nachhinein, als retrospektiv, getroffen werden; allerdings sind auch diese abhängig von der Qualität und dem Umfang der erfassten Daten. Ich kenne beispielsweise einige Stellen, die ihre Daten nicht (mehr) an die Datenerfasser weitergeben; die Gründe dafür sind sehr unterschiedlich, allerdings mit der jeweils gelieferten Begründung (meistens handelt es um schlechte Erfahrungen, die jene subjektiv hinsichtlich Datenverwendung und Datenauswertung, auch hinsichtlich der öffentlichen Bewertung der eigenen geleisteten Arbeit gemacht hatten) im jeweiligen Einzelfall dann durchaus nachvollziehbar, aber näher möchte ich auf dieses Phänomen an dieser Stelle nicht eingehen. (Das habe ich auf meinen Webseiten bereits mehrfach erläutert.)
Wir sehen also unschwer, einmal ist es die Trockenheit, dann wieder sind es Nässe und Kälte, die den Störchen das Leben und die Aufzucht von Jungen erschweren, oft auch unmöglich machen, denn eine späte Rückkehr von Zugtieren ist ja auch eine Folge von widrigen Bedingungen im Überwinterungsgebiet bzw. auf der Zugroute. Man muß also recht vorsichtig sein mit der Diagnose, daß es den Störchen gut gehe, daß es in einigen Gebieten "zu viele" gebe. Bei letzterem Urteil ist es besonders widersinnig, wenn man behauptet, ein Storch lasse sich ohnehin nur dort nieder, wo er genügend Nahrung findet (grundsätzlich sicherlich eine richtige Aussage!), dann aber immer wieder von einer Überpopulation zu sprechen. Stringentes Argumentieren und logische Schlußfolgerungen sehen anders aus ...
Meistens sind die ersten Störche, die relativ früh im Jahr aus ihren Winterquartieren nach Deutschland zurückkehren, Zugvögel aus Marokko, Spanien und (Süd-)Frankreich. Deshalb nicht verwunderlich, daß man sie zunächst verstärkt im Südwesten des Landes, dann erst weiter östlich und nördlich antreffen kann, also auch in Niedersachsen, Schleswig-Holstein (heuer, also 2016, waren zahlreiche Paare bereits Mitte März in Bergenhusen auf ihren Horsten angekommen!), Sachsen und Sachsen-Anhalt (auch in Loburg sind heuer die Westzieher recht frühzeitig eingeflogen, während sich der Ostzieher Albert bis zum 28. Mai Zeit mit der Rückkehr ließ; sein Stammhorst auf dem Storchenhof war mittlerweile von einem anderen Paar besetzt und so vagabundiert Albert nun im Jerichower Land -- für eine erfolgreiche Brut ist es ohnehin viel zu spät für ihn) wurden bereits Tiere gesichtet. Ostzieher beginnen ihre Rückreise, abhängig natürlich von der Wetterlage, zwischen Anfang bis Mitte Februar eines Jahres.
Viele Störche sind mittlerweile "Winterflüchter", d.h. sie fliegen bei für sie schlechten Bedingungen hierzulande (Bodenfrost, Futterknappheit in der kalten Jahreszeit, u.a.) gerademal so weit in den Süden, bis es bessere Bedingungen für sie gibt. Immer häufiger werden auch "Kurzflüge" in Richtung Bodensee oder Breisgau beobachtet. Auch "Pendelflüge" konnten festgestellt werden, so z.B. bei einem Storch aus Isny, der lange unter kalten Bedingungen im Winter dort ausharrte, man schon glaubte, er überwintere dort ganz (was schon mehrmals geschehen ist) und dann war der Storch plötzlich doch verschwunden. Als sich nach wenigen Tagen das Wetter wieder milder gestaltete, war der Storch plötzlich wieder da, in Isny auf seinem Horst. Vermutlich dürfte er sich eine kleine "Auszeit" in der näheren Bodenseegegend genommen haben ... (Jetzt höre ich schon wieder die Winterfütterungsgegner unken und mutmaßen ...)
Der Storch ist eben nicht dumm, schon gar nicht so dumm, wie manche "Storchenexperten" (damit meine ich ganz bestimmt nicht die wirklichen, kompetenten Storchenfachleute!) ihn halten; er merkt eben auch, wie er sein Risiko minimieren und wertvolle Energie sparen kann. Und "Fernflüge" sind da eben für ihn nicht die allerbeste Lösung ... Wer hier nun schon wieder mit Schuldzuweisungen und / oder Erklärungsversuchen wie "Aufzuchtanstalten", "Zuchtprogramme" in der Schweiz und in Baden-Württemberg (zugeschrieben werden jenen dann die 50er und 60er Jahre des vorigen Jahrhunderts), "Zootierhaltung", "Wildtierfrevel", "Verhausschweinung", etc. kommt, dürfte sich in seinem (oder ihren) Denken mit verkürzenden Maßstäben begnügen, also nicht oder nur ganz wenig sachorientiert.
Albert "von Lotto" (der Beiname wurde ihm auf Grund einer Spende der Lotto-Gesellschaft verpaßt) ist im Dezember 2915 vom Sudan aus noch bis nach Südafrika geflogen. Auf die Heimreise nach Loburg begab er sich von dort erst Ende Februar, ließ sich dabei dann auch noch viel Zeit (diese mußte er sich wohl auch wegen teilweiser sehr schlechter Flugbedingungen lassen, immer wieder legte er längere Pausen ein, wie die Telemetriedaten aus Loburg belegen!), so daß es absehbar war: rechtzeitig für eine Familiengründung würde er wohl kaum mehr ankommen. Er kam dann, wie bereits weiter oben berichtet, am 29. Mai 2016 in Loburg an. Die Antwort auf eine Frage wäre interessant: Weshalb ist Albert im Dezember noch weiter nach Südafrika gezogen? Wahrscheinlich liegt es an durch die langanhaltende Trockenheit im östlichen und etwas südlicherem Afrika bedingtem Nahrungsmangel. Auch andere Ostzieher sind dieses Jahr erst relativ spät zurückgekehrt (z.B. die Brutstörche in Westerholz). Albert vagabundiert -- so eine telefonische Auskunft aus Loburg am 3. Juni 2016 -- gegenwärtig in der Nähe von Loburg herum. Sein Aufenthalt kann über Telemetrie sehr gut ausgelesen werden.
Ein Störungsjahr (2016) für Ostzieher? In Wahrenberg (bei Wittenberge an der Elbe) gibt es laut Meldung vom 6. Mai 2016 nur mehr 19 Paare und einen Einzelstorch. Letztes Jahr siedelten dort (Stichtag 17. Mai) 20 Paare. Ein gutes Ergebnis, wenn man die beiden Jahre vergleicht, der Bestand scheint dort stabil zu sein. Allerdings scheint dieses positive Ergebnis eher die Ausnahme zu sein. In der Altmarkt fehlten 2016 zum Stichtag noch ca.. 40 Prozent des vorjährigen Bestandes, im Altkreis Bad Doberan über 10 Prozent, im Kreis Lüchow-Dannenberg fast 30 Prozent und "im Kreis Gifhorn - in dem etwa die Hälfte des Bestandes Ostzieher sind - hatten wir im letzten Jahr 42 Paare. Bislang sind es - trotz der zwei Neuansiedlungen in Barwedel und Jembke - erst 38 und zwei Einzelstörche. Somit zeichnet sich bei den Ostziehern ein Störungsjahr ab - zum einen aufgrund der jetzt schon erfolgten Verspätungen bei der Rückkehr und zum anderen aufgrund der Tatsache, dass doch viele Brutstandorte der letzten Jahre (noch?) nicht besetzt sind." (Quelle: stoerche-celle.de). Besonders gravierende Probleme auf den Zugwegen seien nicht bekannt geworden, so daß vermutet wird, die Ursache für verspätete Rückkehr liege in den Überwinterungsgebieten.
Die folgende Geschichte erinnert doch ein wenig auch an das Nestdrama in Görsbach / Thüringen; dort verstarben 2016 drei Küken, weil der männliche Altstorch nicht mehr mitfüttern konnte -- er hatte sich in ein Bindegarn verheddert, dabei noch einen längeren Stock an sein Bein gefestigt, so daß er stark bewegungsbeeinträchtigt wurde. Hilfe wurde den Küken (z.B. Aushorstung) nicht rechtzeitig zuteil, obwohl mehrfach von fachkundiger Seite angeboten worden war, den verletzten Storch konnten die dort in und bei Nordhausen Verantwortlichen auch nicht von seinem Handicap befreien. Ein bis heute überlebendes Jungtier ist in keinem besonders guten Zustand, wohl weil es auf Grund der Umstände recht unregelmäßig (und dies stets mit großen Zeitintervallen) vom Weibchen gefüttert wird.
Ähnliches Schicksal für einen Storch im Raum Ettenbüttel, dessen Bein verletzt wurde: Im Vorjahr versuchte ein Storch (geboren 2013, Ringnummer DEW 1T 623) ein Nest in Ettenbüttel zu erorbern. Es gelang ihm nicht. Auch ein weiterer Versuch in Ummern zwei Tage später blieb erfolglos. Auffallend war, daß beim Fliegen das linke Bein schräg nach unten hing. Er konnte zwar landen, aber bei Schreitversuchen knickte sein Bein stets ein. Man verlor ihn dann jedoch aus den Augen und rechnete damit "dass er mit so einer schweren Verletzung nicht mehr lange gelebt hatte". Schön wäre es, wenn -- wie in zahlreichen Fällen durchaus schon geschehen -- man verletzte Störche dann einfangen (ich weiß, es ist nicht einfach, aber machbar) und ihnen angemessen helfen könnte, gegebenenfalls auch in eine Storchenauffangstation brächte). Dann wären solche Störche wenigstens mehr als eine statistische Größe, die je nach Qualität in eine Kladde Eingang finden ...
Wie man sich hier auch anders verhalten kann, zeigt, was unter anderem Hilfeleistung und Empathie angeht, folgendes schöne Beispiel: Ein Storch mit extremer Beinschiefstellung war im Gehege der Pflegestörche (Meldung vom NABU-Artenschutzzentrum Leiderde) gelandet und balzte dort sogar eine ältere Störchin an. Er hatte neben seiner Beinanomalie eine größere Stichverletzung und weitere Hämatome. Da er sehr geschwächt war, konnte man ihn problemlos einfangen. Das Tier wurde in der TiHo Hannover untersucht: es wurde ein alter schief angewachsener Bruch im Gelenkbereich festgestellt, eine Operation wurde als nicht verantwortbar bewertet.
Es wurde einvernehmlich beschlossen, den Storch nicht einzuschläfern, sondern in Leiferde wieder auzupäppeln, um ihm danach wieder in Freiheit fliegen zu lassen. Der Storch hatte sich trotz seiner Beinfehlstellung ja bereits vorher schon als überlebensfähig erwiesen.
Es gibt sicherlich bei gleich- oder ähnlichgelagerten Fällen, bei denen dann -- ebenfalls entsprechend "einvernehmlich" -- eine andere Entscheidung, oft bis hin zum Nichtstun, zur Unterlassung von Hilfsmaßnahmen, getroffen wurde und auch immer noch wird ... Die Leser mögen selbst entscheiden, welche Positionen als die ihnen richtige erscheint; meine Haltung dazu dürfte nach der Lektüre meiner Veröffentlichungen ja klar sein.
Von 39 Storchenpaaren im Kreis Gifthorn brüten neun, von 15 Paaren im Kreis Celle zwei nicht! Als Gründe werden genannt: Nestkämpfe mit Zerstörung der Eier und nachfolgendem Brutabbruch, ein männlicher Eindringling störte das bereits brütende Weibchen, um sie für sich zu gewinnen und warf die Eier des "Kontrahenten" aus dem Nest. Dann gibt es immer wieder Paare, die zum Brüten noch zu jung, sei es noch nicht geschlechtsreif oder zu unerfahren sind, nicht selten sind die Einer auch unbefruchtet (so in Gögglingen / Ulm 2015 zu beobachten). Aus Hohne (Kreis Celle) wird berichtet, daß der Brutabbruch erfolgte, nachdem die drei Jungen innerhalb kürzester Zeit starben. Auch widrige Witterungseinflüsse führen oft zu Brutabruch. Auch vertreiben alteingesessene Paare immer wieder Neuankömmlinge, selbst wenn jene ihr Nest in weiterer Entfernung wählen wollen. Dazu kann ich allerdings ein interessantes Gegenbeispiel berichten. Auf dem Storchenkran brütet seit Jahren an der äußersten Spitze des Auslegers ein Storchenpaar. Relativ dicht neben diesem Nest (siehe Bild) befindet sich ein sehr großes trichterförmiges Storchennest. Dieses hat das Storchenpaar von der Auslegerspitze jahrelang als eine Art Zweitwohnung benutzt (vor allem wenn die Jungen dann schon größer waren), alle Versuche anderer Störche, jenes Nest für sich zu beanspruchen wurden heftig und erfolgreich abgewehrt. Dieses Jahr nun hat das "Platzhirsch-Paar" anstandslos ein anderes Paar einziehen lassen und beide Paare leben und brüten friedlich nebeneinander, stehlen sich auch nicht gegenseitig das Nistmaterial (wie teilweise bei anderen Nestern beobachtbar)...

Zum Zeitpunkt der Aufnahme 10 belegte Horste, Ausleger ganz rechts die beiden angesprochenen Nester, links auf dem Ballastgewicht des Gegenausleger ebenfalls ein sehr altes Nest, das Nest auf der Kranspitze ist eine der ersten Ansiedlungen; das kleine Nest am Beginn des Auslegers war vor Jahren recht stattlich, wurde dann nach und nach von den anderen Störchen "geplündert" bis Ende 2015 nichts mehr davon zu sehen war, aber heuer (2016) hat dort ein Paar wieder ein Nest errichtet. Hinzu kamen dieses Jahr noch ein Nest etwas erhöht auf der Plattform (am Firmenschild) sowie ein bislang nicht sehr erfolgreicher Nestbauversuch auf der Plattform direkt hinter dem Firmenschild.
Dieser Storchenkran soll jedoch nun im Herbst 2016 abgebaut werden; die Storchenpaare werden ihre Horste nach Rückkehr nicht mehr an gewohntem Platz wiederfinden. Und die Überwinternden? Was wird wohl aus ihnen?!
Leider findet man im Kontext des "Storchengeschehens" neben den zahlreichen positiven Engagements und Auseinandersetzungen auch immer wieder Formen von Besserwisserei, Rechthaberei, Diffamierungen, Verdrehung von Tatsachen und Ignorieren von Sachvehalten. Warum sich Personen da so kontraproduktiv verhalten? Darüber läßt sich zumindest in einigen Fällen nur spekulieren. Vielleicht ist der Grund für jenes unschöne und nicht zielführende (es sei denn, man ist nur an Streit interessiert ...) Verhalten ja (zumindest in Teilaspekten) in den zwei folgenden Aussagen zu finden ... (Wetteifern ist jedenfalls dann sinnlos, wenn es um ein übergeordnetes Ziel geht: den Störchen beim Überleben, beim Erhalt einer gesunden Population selbstlos zu helfen -- Eigeninteressen sollten da keinen Platz haben bzw. finden.)
"In Deutschland ist die höchste Form der Anerkennung der Neid!" (Arthur Schopenhauer)
"Der Neid ist die aufrichtigste Form der Anerkennung." (Wilhelm Busch)
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Demnächst hier mehr, vor allem über die Umweltfaktoren ...
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